15.06.2014 (kha)
"Man muss sich von der Armut berühren lassen." Diesen Satz des neuen Leuchtfeuer-Preisträgers Dr. Ulrich Schneider zitierte der blinde Journalist Jens Bertrams in seiner Laudatio.
Bereits zum zehnten Mal haben die Humanistische Union (HU) und die Universitätsstadt Marburg am Sonntag (15. Juni) im Historischen Saal des Rathauses das "Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte" verliehen. Im Jubiläumsjahr erhielt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands die undotierte Auszeichnung. Sein Engagement umfasst insbesondere den Kampf für soziale Gleichberechtigung und gegen Armut.
Sowohl Oberbürgermeister Egon Vaupel als auch der HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke hoben Schneiders Leistungen in ihren Begrüßungsreden hervor. Am eindringlichsten tat das aber Jens Bertrams. In seiner Laudatio auf den Preisträger schilderte erals selbst von Hartz Betroffener, wie entwürdigend der Besuch eines Jobcenters sein kann und wie gut es ist, mit Schneider einen "Lobbyisten für die Armen" zu haben.
Bertrams berichtete von einem Besuch im JobCenter, bei dem er gefragt wurde, wie viel Geld er in der Tasche habe. Dass nicht noch die Handschellen klickten, sei alles gewesen, was ihn von der Empfindung getrennt habe, ein Verbrecher zu sein.
Der Preis umfasst traditionsgemäß eine Urkunde und ein Gemälde eines regionalen Künstlers. In diesem Fall war es ein abstraktes Werk von Monika Sohn aus Kirchhain. Übergeben wurden die Auszeichnungen von Vaupel und dem Jury-Sprecher Jürgen Neitzel.
Schneiders Worte des Danks vielen entschieden und überzeugend aus. Nicht nur verlieh er seiner Ehrfurcht Ausdruck, nun mit den bisherigen Preisträgern, die er zu seinen Vorbildern zählt, in einer Reihe zu stehen. Auch machte er deutlich, wie in seinen Augen durch Hartz IV die Menschenwürde entgegen dem ersten Artikel des Grundgesetzes sehr wohl angetastet wird. Nach dem Motto "Deutschland ist Lebensstandort, nicht Wirtschaftsstandort" machte er sich dafür stark, als höchsten Wert den Menschen an sich zu sehen, unabhängig von seinem Nutzen als "Humankapital".
Das Marburger Leuchtfeuer sah Schneider letztlich als "Aufmunterung und Ansporn" für seine Arbeit. In seiner leidenschaftlichen Dankesrede präsentierte er sich als glühender Verfechter sozialer Bürgerrechte oder, wie Bertrams anerkennend feststellte: "Armut berührt ihn einfach immernoch."
Katharina Hahn
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