Logo: marburgnewsMobile Marburgnews

Zum Menü

Folgen des Reichtums


Premiere von "Plutos" im Landestheater

19.01.2014 (fjh)
Als Vortrag über die Götterwelt im antiken Griechenland begann am Samstag (18. Januar) im Hessischen Landestheater Marburg die Komödie "Plutos". Hans-Jochen Menzel hatte das Theaterstück frei nach Aristophanes inszeniert.
Thema ist die ungerechte Verteilung von Armut und Reichtun. In der Antike sei das ja noch ein Problem gewesen, bemerkte der Referent.
Der Bistrobesitzer Chremylos befragt das Orakel von Delphi danach, wie sein Neugeborener die Armut vermeiden könne. Solle der Sohn - ebenso wie sein Vater - ehrlich bleiben oder solle er sich durch Betrug und Diebstahl bereichern?
Über die Hotline rät ihm Apollon, dem nächsten zu folgen, der die Delphi-Bank verlässt. Ihn solle er mitnehmen zu sich nach Hause. So folgt Chremylos einem Blinden in abgerissener Kleidung.
Vor dem Bistro stellt sich heraus, dass der blinde Alte Plutos ist. Als Gott des Reichtums bedenkt er diejenigen mit Gaben, deren Heim er betritt.
Der Göttervater Zeus hat Plutos jedoch mit Blindheit geschlagen. So kann er nicht unterscheiden, wen er mit Reichtum bedenkt.
Chremylos indes will Plutos wieder sehend machen. Penia hingegen warnt ihn davor, dieses Vorhaben umzusetzen. Die Göttin der Armut beschwört die Notwendigkeit ihrer Existenz, um die Menschen zu Arbeit, künstlerischem Schaffen und anderen Leistungen zu drängen.
Dennoch bringt Chremylos den Gott des Reichtums zum Tempel des Asklepios. Der Gott der Heilkunst verhilft Plutos dort wieder zu voller Sehkraft.
Daraufhin bricht allgemeiner Wohlstand aus. Die Reichen verlieren ihr Vermögen, wohingegen die Armen reich werden. Diese Entwicklung ist jedoch nicht ganz unproblematisch.
Menzel hat den antiken Stoff leider mitunter zu effekthascherisch modernisiert. Nicht gerade originell ist auch die Darstellung der Komödie durch Aussagen des Vortragenden über deren Inhalt.
Ohnehin ist die mitunter bemühte Aktualisierun des antiken Stoffs eine unnötige Anbiederung an Comedy-gewöhnte Zuschauer. Zudem ist sie auch Ausdruck einer Missachtung des Publikums und seiner eigenen Abstraktionsfähigkeit. Die Aktualität des 2422 Jahre alten Stoffs belegt allein schon die Tatsache, dass er immer noch auf die Bühne gebracht wird.
Abgesehen von Menzels allzu bereitwilliger Umsetzung aktueller Modetrends ist dem Regisseur aber weitgehend eine kurzweilige Übertragung des Stoffs gelungen. Während einige Running Gags wie der fehlende Chor nach dem vierten Mal eher nerven, tragen andere Ideen doch zu zusätzlicher Heiterkeit bei.
So vermeldet die Tagesschau, dass weltweit Milliardenbeträge auf die Konten armer Leute geflossen seien. Hinter dieser Aktion vermute man eine noch unbekannte Hackergruppe. Eine weitere Meldung fordert die Begünstigten auf, die Gelder zurückzuüberweisen und für arme Ex-Milliardäre zu spenden.
Einigermaßen belustigend ist auch, wie der blinde Plutos tolpatschig durch die Gegend stolpert. Hinzu kommen zahlreiche optische Gags, die das Publikum am Premierenabend erheiterten.
Gleich in jeweils mehreren Rollen konnten dabei Ogün Derendeli, Thomas Huth, Jürgen Helmut Keuchel, Stefan A. Piskorz und Tobias M. Walter brillieren. Ihnen gelang nicht nur der Wechsel, sondern auch die Umsetzung ihrer einzelnen Rollen überzeugend.
Nicht ganz so gelungen agierte Julia Glasewald. Die Penia spielte sie noch einigermaßen angemessen, wohingegen ihre anderen Rollen ihr auch nicht allzuviel Gelegenheit gaben, ihre Kunst zu entfalten.
Insgesamt war der Abend indes ausgesprochen sehenswert. Er bot eine kurzweilige Komödie über ein brandaktuelles Thema. Nicht nur junge Leute werden daran sicherlich ihre Freude haben.
Franz-Josef Hanke
Text 8995 groß anzeigen

www.marburgnews.de

© 2017 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg