22.11.2013 (ms)
Die Wirkung von Placebos können der Psychologe Prof. Dr. Winfried Rief von der
Philipps-Universität sowie Kollegen aus Essen, Hamburg, München und Tübingen erforschen. Die überregionale Forschergruppe erhält für drei Jahre weitere 2,3 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie untersucht die Faktoren, die neben der eigentlichen medizinischen Verordnung zum Behandlungserfolg beitragen.
"Die vom Arzt verordnete Pille ist nur ein Teil des Heilungsprozesses bei Krankheiten; viele weitere Einflüsse tragen zum Behandlungserfolg bei, die jedoch in Forschung und Anwendung bislang zu wenig beachtet wurden“, erklärte Rief. Er amtiert als Sprecher des Verbunds.
Placebo- und die gegengerichteten Nocebo-Reaktionen sind positive und negative Nebenwirkungen, für die es keine erkennbare medizinische Ursache gibt. Seit vielen Jahren sind sie als klinisch relevante Effekte bekannt. Placebo-Effekte zeigen sich an messbaren körperlichen Vorgängen, zum Beispiel an der Hirnaktivität oder Veränderungen im Hormonsystem.
"Placebo-Effekte können durch aktuelle Erwartungen und frühere Erfahrungen des Patienten mit einer Erkrankung ausgelöst oder verstärkt werden, aber auch durch den Behandlungskontext und die Arzt-Patienten-Interaktion“, führte Rief aus. Oftmals seien sie größer als die spezifischen - auf das jeweilige Medikament zurückzuführenden – Wirkungen. Diese Tatsache unterstreiche, dass hier ein großes - oftmals nur unsystematisch genutztes - Potential zur Verbesserung von Behandlungen liegt. Die klinischen Anwendungen reichen von der Behandlung von postoperativem Schmerz, Schlafstörungen, Brustkrebs bis hin zur Beeinflussung von immunologischen Funktionen bei Nierentransplantationen.
Schon für die erste Förderphase seit dem Jahr 2010 erhielt die Gruppe 2,8 Millionen Euro von der DFG. Die beteiligten Mediziner und Psychologen konnten neuronale und psychische Wirkmechanismen von Placebos bei den meisten Krankheitsbildern und organischen Systemen nachweisen. Ziel der zweiten Förderphase ist es nun, die am Placebo-Effekt beteiligten Mechanismen systematisch auf klinische Anwendungsfelder zu übertragen, um die Behandlung noch effektiver zu machen.
"Die Forschergruppe hat sich bereits in der ersten Förderphase eine internationale Spitzenposition in diesem Feld erarbeitet, die es nun weiter auszubauen gilt“, sagte Rief. Die Sprechergruppe wird vervollständigt durch Prof. Dr. Ulrike Bingel von der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Manfred Schedlowski vom Universitätsklinikum Essen sowie Prof. Dr. Paul Enck von der Universität Tübingen.
pm: Philipps-Universität Marburg
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