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Vor 75 Jahren


Auch in Marburg brannte 1938 die Synagoge

09.11.2013 (fjh)
Überall in Deutschland brannten am 9. November 1938 jüdische Gotteshäuser. In Marburg wurde in dieser Nacht mit der Synagoge an der Universitätsstraße eines der schönsten Bauwerke der Stadt vernichtet.
An ihrem Platz befindet sich heute der "Garten des Gedenkens". Dort findet am Sonntag (10. November) eine Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht statt.
Es waren Nachbarn und ortsbekannte Geschäftsleute, die in der sogenannten "Kristallnacht" beraubt und durch die Straßen gehetzt wurden. Die Täter waren Nachbarn und ortsbekannte Funktionäre der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und anderer Nazi-Organisationen. Meist tatenlos zugesehen haben Nachbarn der Opfer, deren Wohnungen und Läden zerstört und deren Eigentum vernichtet wurde.
Die Behauptung, diese Aktion sei eine spontane Entladung des verbreiteten Volkszorns über "die Juden" gewesen, lässt sich angesichts historischer Dokumente wohl kaum aufrechterhalten. Polizei und Feuerwehr waren zwar zur Stelle, griffen aber nicht ein, um die Opfer dieses Verbrechens, ihr Eigentum und die Synagogen zu schützen.
In Marburg hatte die NSDAP schon vor der Machterschleichung der Nazis überdurchschnittlich hohe Wahlergebnisse erzielt. Sowohl in der Professorenschaft wie auch unter den Studenten waren faschistische Haltungen offenbar weit verbreitet.
Unter dem Beifall der gaffenden Menge wurde in der Pogromnacht die wunderschöne Synagoge niedergebrannt. Das Holzgebälk, das die eindrucksvolle Kuppel trug, brannte wie Zunder. Der Magistrat der Universitätsstadt Marburg hatte die Feuerwehr angewiesen, nicht einzugreifen.
Erst brannten Bücher, dann Synagogen und schließlich ganz Europa. Die Pogromnacht war ein Schritt der faschistischen Mobilmachung zu Massenmord und Krieg.
Franz-Josef Hanke
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