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Kilian wird Studentenwohnheim

11.10.2013 (ms)
In einer Bauzeit von acht Monaten wurde das Haus Kilian am Schuhmarkt von einem Bürogebäude in ein modernes Studentenwohnheim umgebaut. Die Universitätsstadt Marburg hat der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft GeWoBau das Haus Kilian für eine symbolische Erbpacht von einem Euro überlassen.
Oberbürgermeister Egon Vaupel freute sich vor allem darüber, dass der historische Bau mitten in der Oberstadt nun Studierenden zur Verfügung steht: "In direkter Nachbarschaft des historischen Rathauses ist ein funktionales Haus mit besonderer Atmosphäre entstanden, das nun 22 Studierenden Unterkunft und
Gemeinschaft bietet. Der Umbau des Hauses Kilian steht beispielhaftdafür, wie man in alte Mauern junges Leben bringt.“
Bürgermeister Dr. Franz Kahle betonte besonders die Kombination von Denkmalschutz und Schaffung studentischen Wohnraums in der Stadt: "Mit dem Kauf des Kilian durch die Universitätsstadt Marburg und dem Umbau durch die GeWoBau haben wir zwei Ziele gleichzeitig erreicht. Eines der ältesten Gebäude mit großer religionsgeschichtlicher Bedeutung ist
aufwändig saniert und dauerhaft gesichert. Gleichzeitig haben wir ein modernes Studierendenwohnheim mit einem sehr besonderen Ambiente."
Diese Maßnahme sei "Ein wichtiger Beitrag zum Denkmalschutz und gegen studentische Wohnungsnot".
Für rund 900.000 Euro entstand zwischen Mitte Februar und Mitte Oktober 2013 eine neue Raumaufteilung im gesamten Gebäude. Fünf Wohneinheiten mit insgesamt 22 Studierendenzimmern zwischen 12 und 20 Quadratmetern Küchen, Bädern und Aufenthaltsräumen wurden realisiert. Dabei wurde darauf geachtet, die historische Tragstruktur des Gebäudes nicht zu verändern und - soweit möglich - sichtbar zu belassen. Sämtliche noch vorhandenen sichtbaren Sandsteinbauteile der ehemaligen Kilians-Kapelle wurden ebenfalls in die
neuen Räume integriert.
Bei Freilegungsarbeiten im Erdgeschoss wurde zu Beginn der Baumaßnahme unerwartet ein noch nicht bekannter Keller freigelegt. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Bauforschung und Dokumentation (IBD) wurde er untersucht und die Funde aufgenommen.
Nach Beendigung der Bauaufnahme wurde dieser Keller komplett mit Kies verfüllt, da er nicht sinnvoll nutzbar und klimatisch nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Somit kann er von zukünftigen Generationen - wenn gewollt - ohne Probleme und ohne Substanzverlust wieder freigelegt werden. Dieser Fund war zwar sehr interessant; dem engen Zeitplan war er jedoch nicht zuträglich.
Wo es möglich war, wurden die Dielenböden wieder aufgearbeitet. Ansonsten wurden neue Dielen, Parkett und Fliesen verlegt. Im Fachwerkteil und in den Nassräumen des Gebäudes wurde eine neue Innendämmung eingebaut.
Das gesamte Dach des Gebäudes wurde neu gedeckt. In diesem Zuge wurde die Zwischensparren-Dämmung überarbeitet und das Dach durch eine Aufsparren-Dämmung energetisch ertüchtigt. Damit wurde der sommerliche wie winterliche Wärmeschutz verbessert.
Um den neuen Brandschutzanforderungen gerecht zu werden, wurden stark beanspruchte Unterzüge durch neue verborgene Stahlstützen entlastet.
Alle Zimmer des Gebäudes sind mit vernetzten Rauchmeldern ausgestattet. Im Brandfall wird so jeder Bewohner über die Gefahr informiert.
Sämtliche ans Treppenhaus grenzende Bauteile sind so konzipiert, dass sie mindestens eine Stunde dem Feuer standhalten und eine Flucht ermöglichen.
In jedem Geschoss wurden einzelne Fenster als Fluchtfenster neu eingebaut. Optisch wurden sie den Bestandsfenstern angepasst.
Wir hoffen, dass der Kilian als denkmalpflegerisches Kleinod von den Studierenden auch entsprechend gewürdigt und pfleglich behandelt wird.
pm: Stadt Marburg
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