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Kurzfristig vermacht


Uni übernimmt Bücher von Reich-Ranicki

20.09.2013 (nmf)
Materialien und Bücher des verstorbenen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki erhält eine Arbeitsstelle an der Philipps-Universität. "Marcel Reich-Ranicki hat die Literaturkritik in Deutschland geprägt wie kein anderer", erklärte Prof. Dr. Thomas Anz anlässlich des Todes des Literaturkritikers.
Die am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften angesiedelte "Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki für Literaturkritik in Deutschland" erhält nun die Bibliothek aus dem Nachlass von Reich-Ranicki. Bereits 2010 hatte der Kritiker ihr einen Großteil seiner Buchbestände vermacht. Außerdem hat er der Bibliothek Germanistik und Medienwissenschaften umfangreiches Arbeitsmaterial zur Erstellung seiner Rezensionen überlassen.
"Wie viel ihm Literatur bedeutete, konnte man nicht nur bei seinen berühmten Auftritten im Literarischen Quartett erleben und an seinen vielen Rezensionen und Kritiken sehen," erläuterte Lydia Kaiser. Sie betreute als Mitarbeiterin der Universitätsbibliothek im Jahr 2010 die Übernahme der Bücher.
Ein Blick in seine Privatbibliothek zeige, wie viel Reich-Ranicki im Laufe seines Lebens gelesen haben muss. Auch werde deutlich, wie sehr Verlage und Schriftsteller seine Meinung suchten.
"Bei der Abholung der Schenkung in seiner Frankfurter Wohnung blieb er seinem Metier treu und kommentierte den ein oder anderen der rund 1.000 Titel, die auf die Büchertrage kamen," erinnerte sie sich. Fast alles sei damals verpackt worden, was im Regal stand. Drei Ausnahmen machte er allerdings: Bücher von Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Thomas Mann begleiteten Reich-Ranicki bis zum Schluss.
Anz zeigte sich dankbar für die Erbschaft: "Es ist für mich persönlich und für die Arbeitsstelle eine große Freude, dass wir zu dem umfangreichen Material nun auch die Bücher Reich-Ranickis erhalten, die ihn bis zu seinem Tod umgeben haben. Seinen Lesespuren zu folgen und sich so seine Arbeitsweise zu erschließen, ist ein wissenschaftlich äußerst spannendes Unterfangen."
Im Rahmen des Studien- und Forschungsschwerpunkts "Literaturvermittlung in den Medien" eröffnete das Institut für Neuere deutsche Literatur der Philipps-Universität am 5. September 2010 die "Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki für Literaturkritik in Deutschland". Die Arbeitsstelle archiviert alle Zeitungsartikel, die der Literaturkritiker bisher veröffentlicht hat und die von ihm selbst gesammelt wurden. So findet man dort seine Buchpublikationen, Bücher über ihn und aus seiner Bibliothek sowie diverse andere Arbeitsmaterialien, die Reich-Ranicki der Arbeitsstelle zur Verfügung gestellt hat.
Ergänzt wird das Archiv durch Materialien, die andere über Reich-Ranicki gesammelt haben. Reinhard Helling, der 1993 eine umfassende Diplomarbeit über das publizistische Wirken des Kritikers vorlegte, hat 2010 sein Archiv der Arbeitsstelle zur Verfügung gestellt. Sie dient der Forschung zum Lebenswerk des Literaturkritikers.
Zu ihren Projekten gehören eine komplette Bibliographie Reich-Ranickis sowie eine Werkausgabe seiner Literaturkritiken. Dafür arbeitet die Marburger Arbeitsstelle eng mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach zusammen. Dort lagern unter anderem die nachgelassenen Korrespondenzen des Literaturkritikers.
pm: Philipps-Universität Marburg
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