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Jan Schalauske


Linken-Kreisvorsitzender will Landtagsabgeordneter werden

01.09.2013 (fjh)
"Mein Fachgebiet ist Kapitalismuskritik", berklärt Jan Schalauske. Aus diesem Grund möchte er seinen Arbeitsschwerpunkt auch nicht auf ein einziges Politikfeld beschränken.
Zumindest die schlimmsten Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftsweise will der Linken-Kreisvorsitzende künftig auch im Parlament bekämpfen. Deswegen kandidiert der 32-jährige Doktorand bei den Wahlen am Sonntag (22. September) für den Hessischen Landtag.
Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Rückabwicklung der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM). Mit der Privatisierung der beiden Krankenhäuser habe das Land Hessen nicht nur das Personal einem starken Stress am Arbeitsplatz ausgesetzt, sondern auch die Qualität der medizinischen Versorgung gefährdet. Als Sprecher des Aktionsbündnisses "Gemeinsam für unser Klinikum" beteiligt sich Schalauske in vorderster Front an den entsprechenden Protestaktionen in Marburg.
In vorderster Reihe aktiv ist Schalauske auch in der Friedensbewegung. Die Proteste gegen ein Kriegerdenkmal im Marburger Stadtteil Bortshausen und gegen die Kameradschaft Marburger Jäger hat er maßgeblich mitgetragen. Dabei betont Schalauske, dass die Marburger Jäger eine SS-Einheit waren, die wegen ihrer faschistischen Greueltaten nach dem Ende des 2. Weltkriegs durch aliierten Beschluss verboten wurde.
Der Kampf gegen Rassismus und Faschismus ist ein weiterer Schwerpunkt in Schalauskes politischem Engagement. Nach einer Demonstration gegen den Marktfrühschoppen wurde der Linken-Politiker wegen eines Transparents angezeigt, auf dem ein Zitat von Kurt Tucholsky über Verbindungsstudenten stand. Zwar habe er dieses Transparent nicht zu verantworten, doch sei das Zitieren Tucholskys wohl kein strafbares Vergehen, empört sich Schalauske .
Auf die Anzeige eines Stadtallendorfer Rechtsanwalts hat Schalauske mit einem anderen Tucholsky-Zitat geantwortet: "In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“
Der Linken-Politiker hält es eher mit der basisdemokratisch orientierten Rosa Luxemburg als mit dem zentralistischen Vladimir Iljitsch Uljanov alias "Lenin". Deswegen organisiert er sich im Rosa-Luxemburg-Bluc (RLC) auch für die Organisation von Veranstaltungen in Marburg.
Wie Luxemburg tritt Schalauske für die Meinungs- und Gedankenfreiheit ein. Deshalb ist für ihn Freiheit "auch immer die Freiheit der Andersdenkenden".
Das massenhafte Ausspähen der Bürger durch die National Security Agency (NSA) der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) betrachtet Schalauske als kriminellen Akt. Die Vorgehensweise der NSA zeige einmal mehr, dass Geheimdienste nicht kontrollierbar sind.
Im Hessischen Landtag will Schalauske sich deshalb für eine Auflösung des Landesamts für Verfassungsschutz einsetzen. Die dadurch eingesparten Gelder könne das Land dann für an antifaschistische Gruppen und Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen einsetzen.
Er selbst sei auch Opfer geheimdienstlicher Überwachung, berichtet Schalauske. Zumindest der Bayerische Verfassungsschutz hat sein politisches Engagement in einem Jahresbericht erwähnt.
Die umfassende Überwachung der Bürger ist nach Schalauskes Einschätzung einer der Gründe für den Untergang der einstigen Deutschen demokratischen Republik (DDR) gewesen. Sozialismus könne nur mit den Menschen und niemals gegen sie verwirklicht werden, betont der Politologe.
In alle wichtigen Entscheidungen müsse der Staat die Bürger einbinden, fordert Schalauske. Das gelte ebenso für den Ausbau von Windkraft und die jeweiligen Standorte wie auch für die Privatisierung von Gemeineigentum und andere grundlegende politische Weichenstellungen.
Selbstverwaltung fordert er auch in der Wohnungswirtschaft. Deshalb hat er die friedliche Besetzung der Augenklinik unterstützt und wendet sich gegen die Kriminalisierung der Hausbesetzer.
"Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist in Marburg ein großes Problem", findet Schalauske. Das gelte nicht nur für die Wohnungsnot von Studierenden, sondern auch für Familien und Behinderte. Den Sozialen Wohnungsbau hätten Bund und Land zu lange stiefmütterlich behandelt.
Auch hier schlägt sich nach Schalauskes Ansicht wieder der neoliberale Marktradikalismus negativ nieder. Wohnungsbau und soziale Infrastruktur dürfe man eben nicht den Märkten überlassen.
Franz-Josef Hanke
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