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Rundum sorglos


Aktion zum Internationalen Tag der Privatspähre

31.08.2013 (fjh)
Neben dem Cineplex lädt Jens Fricke gerade Material aus seinem Auto aus. Der Mann von der Piratenpartei hat gerade damit begonnen, dort einen Stand aufzubauen.
Zum Internationalen Tag der Privatsphäre (IDP) am
Samstag (31. August) möchte die Marburger Initiative gegen den Überwachungsstaat (MIgÜSt) über Datenschutz und die grassierende Ausspähung der Bürger durch Geheimdienste informieren. In der MIgÜSt haben sich neben der Humanistischen Union Marburg (HU) auch die Linke Marburg-Biedenkopf und die Piratenpartei Marburg-Biedenkopf zusammengeschlossen.
Nach und nach trudeln weitere Teilnehmer der Aktion ein. Die meisten sind von der Piratenpartei. Sie hat für die Aktion auch ihren Stand bereitgestellt.
Dunkle Wolken sind am Himmel aufgezogen. Ob das Wetter wohl halten wird?
Die Piraten haben auch einen Schirm dabei. Doch darauf ist ihr Schriftzug abgedruckt. Die MIgÜSt hatte beschlossen, den Stand ohne diesen Schriftzug aufzubauen.
"Wenn es regnet, können wir den Schirm ja trotzdem aufspannen", schlage ich vor. "Allerdings bleibe ich dann auch nicht länger als nötig."
Fünf Meter weiter baut jetzt auch Die Linke einen eigenen Stand auf. Jan Schalauske kommt mit dem gemeinsamen Flugblatt aber erst in allerletzter Minute. Allerdings war ihm die Vorlage zum Druck auch erst verspätet übermittelt worden.
Allmählich arbeitet sich blauer Himmel durch die Wolkendecke hindurch. Wahrscheinlich werden wir den Schirm nicht aufspannen müssen, hoffe ich.
Nur wenige Passanten sind am späten Vormittag auf dem Rudolphsplatz und dem Gerhard-Jahn-Platz unterwegs. Die meisten laufen achtlos an den Informationsständen vorbei.
"Die Marburger sind Langschläfer", erklärt Fricke. "Erst ab 12 Uhr ist hier wirklich was los."
Fricke selbst ist schon früh aufgestanden. Aus Bidenkopf-Wallau ist er mit dem Wahlkampfstand der Piratenpartei nach Marburg gekommen.
14 Tage vor dem IDP habe ich ihn für die Wahlkampfseite von marburgnews interviewt. Deshalb war er zu Beginn noch etwas distanziert. Almählich gibt sich das aber.
Die Leute an den beiden nebeneinanderliegenden Ständen diskutieren überwiegend miteinander. Interessiertes Publikum lässt sich kaum ansprechen.
Schließlich komme ich doch mit einem Passanten in ein längeres Gespräch. Er wirkt aufgeschlossen, aber auch ein wenig resigniert. Gegen die Geheimdienste könne man doch sowieso nichts ausrichten, meint er.
Das ist eine typische Äußerung zur Späh-Affäre. Mehr als 500 Millionen Datensätze hat der Bundesnachrichtendienst (BND) allein im Dezember 2012 an die National Security Agency (NSA) der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) weitergeleitet. Das hatte der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden bekannt gemacht.
Trotz dieser unglaublichen Schnüffelei bleiben die meisten Menschen erschreckend ruhig. Dabei hätte ich einen lauten Aufstand der empörten Bürger erwartet.
"Ich habe nichts zu verbergen", behaupten viele jedoch. Sie können sich nicht vorstllen, dass sich ein Geheimdienst für ihre Daten interessieren könnte.
Einen Gesprächspartner frage ich auf eine entsprechende Äußerung hin nur, ob er auch die PIN-Codes für sein Bankkonto offenbaren würde. Zudem liefere er als sorgloser "Daten-Exhibitionist" den Algorhythmen der Geheimdienste die Raster zur Erkennung der Verdächtigen. So werden Menschen ungewollt zu Denunzianten der engagierten Mitbürger.
Mit einem gigantischen Aufwand sammeln die Geheimdienste alle Daten, derer sie habhaft werden können. 100.000 Beschäftigte haben die 16 Geheimdienste der USa zusammen. Mehr als 40 Milliarden Dollar stehen ihnen pro Jahr gemeinsam zur Verfügung.
Dagegen sind unsere Mittel und Möglichkeiten sehr bescheiden. Dennoch dürften wir einige wenige Mitmenschen zum Nachdenken gebracht haben.
Knapp zweieinhalb Stunden lang haben die Aktiven der MIgÜSt auf dem Gerhard-Jahn-Platz vor dem Cineplex ausgeharrt. Gegen 13.15 Uhr baut Fricke den Stand ab. Später hat er noch andere Termine.
Gemeinsam mit meinem Mitstreiter von der HU gehe ich noch in ein nahe gelegenes Lokal zum Mittagessen. "Es war nett, die Piraten einmal kennengelernt zu haben", meint er. Die Geheimdienste und ihre Praktiken hingegen bleiben leider vielen so lange verborgen, bis sie sich nicht mehr dagegen wehren können.
Franz-Josef Hanke
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