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Ein Tusch für Busch


Zum 100. Todestag eines "Lumpen"

20.01.2008 (fjh)
"Ach, die sittenlose Presse! Tut sie nicht zu früher Stund all die sündlichen Exzesse schon den Bürgersleuten kund?"
Heitere Verse von Wilhelm Busch und lebensfrohe Dixiland-Musik bekannter Jazz-Komponisten servierte das Hessische Landestheater bei einer Matinee am Sonntag (20. Januar) unter dem passenden Titel "Ein Tusch für Busch". Intendant Ekkehard Dennewitz zitierte anlässlich seines 100. Todestags den Altmeister des gereimten Humors. Die Sachs-Band spielte dazwischen bekannte Dixiland-Nummern.
Dennewitz begann mit einer "Verfassung", die Wilhelm Busch sich selbst gegeben hatte. Darin hatte der berühmte Cartoonist und Dichter die Pflicht zur eifrigen Arbeit und der Begrenzung seiner lasterhaften Angewohnheiten auf wenige Abendstunden in Gesetzesform gebracht. Eines freilich verbot er sich selber in seiner verfassung nicht: Das Aktzeichnen!
Vor allem den unbekannten Busch brachte Dennewitz auf die Bühne. Dabei hatte er vorwiegend lasterhafte und lästerliche Texte ausgegraben, die er voller Genuss zum Besten gab.
Leider neigte der Intendant mitunter dazu, die Texte leicht abzuändern. Wohl in dem Wunsch, altbacken wirkende Sätze zu modernisieren, verletzte der Rezitator dabei leider aber mehrmals das Metrum. Doch gerade die perfekte Einhaltung des Rhythmus seiner Reime ist ja eine der meisterhaften Leistungen Buschs, die bei diesem Vortrag dann leider manchmal litt.
Ansonsten aber verstand Dennewitz sein "Mundwerk" aufs Vortrefflichste: Schelmisch betonte er immer genau die richtigen Worte. Er verzögerte seine Sprache oder redete schneller, wenn er dadurch beim Publikum besondere Effekte erzielen konnte. Mitunter verstellte er auch seine Stimme, um gleich mehrere verschiedene Personen darzustellen.
Buschs "Fromme Helene" hatte Dennewitz aus Zeitgründen leider deutlich verkürzt. Ein wenig litt der Vortrag darunter, hatte er doch ausgerechnet Helenes Pilgerreise mit Vetter Franz ausgelassen. So konnten Uninformierte die Vaterschaft ihrer Zwilllinge nur erahnen.
Ansonsten aber begeisterten Vortrag und Musik gleichermaßen. Im ausverkauften Theater am Schwanhof (TaSch 1) erfreuten sich die Gäste am Programm auf der Bühne ebenso wie an Getränken oder einem kleinen Frühstück, das sie an runden Tischchen zu sich nehmen konnten.
So war die Stimmung heiter und gelöst. Immer wieder brach das Publikum in schallendes Gelächter aus.
Besonders begeisterte Dennewitz mit Buschs Bekenntnis, er sei ein "Lump". Und wenn er dann im Frack zu einem Ball gehe, dann sei er halt "ein Lump inkognito".
Einen Vers von Busch brachte Dennewitz an diesem Vormittag jedoch nicht zu Gehör. Dennoch beschloss genau dieser Reim - sozusagen unausgesprochen - nach kurzweiligen 100 Minuten den vergnüglichen Vormittag: "Eins, zwei, drei, im Sauseschritt eilt die Zeit. Wir eilen mit."
Franz-Josef Hanke
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