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(T)Raumklinik


Hausbesetzung der ehemaligen Augenklinik

20.07.2013 (fjh)
Die ehemalige Augenklinik wird zur (T)Raumklinik. Das Gebäude an der Robert-Koch-Straße haben Hausbesetzer am Freitag (19. Juli) "in einen Freiraum verwandelt". Die frühere Augenklinik stand seit 2011 leer.
Die Besetzer kritisieren das Fehlen von bezahlbarem und selbstverwalteten Wohnraum in Marburg. Außerdem fehlten selbstverwaltete und nichtkommerzielle Räume, in denen sich Menschen treffen und mit anderen austauschen können.
"Wenn so ein riesiges Gebäude mitten in der Stadt leersteht, finden wir es legitim, uns dieses anzueignen", sagte die Hausbesetzerin Kim. Wir freuen uns, es nun nach den Vorstellungen und Bedürfnissen aller, die Lust haben, sich zu beteiligen, zu gestalten.“
Der Durchschnitt der Netto-Kaltmiete steige auch in Marburg. Mittlerweile befinde er sich zwischen dem Niveau von München und Stuttgart. Diese Entwicklung sei für viele Menschen weder finanzierbar noch akzeptabel.
Bund, Länder und Kommunen beförderten diese Mißstände, indem sie Bauprojekte an private Baugesellschaften und Investoren wie "S+S" vergeben. „Das Ziel der Gestaltung von Wohnraum seien dann möglichst große Profite auf Kosten der Bedürfnisse und Wünsche der hier lebenden Menschen.
Seit der Besetzung der alten Fronhofschule im Februar 2013 habe sich die Situation in Marburg nicht verändert. Der mangelnde Wille der Stadt Marburg habe sich auch bei dem - erst auf Druck einberufenen - "Runden Tisch" gezeigt. Die Besetzer haben ihn micht als Ort empfunden, in dem konstruktiv und auf Augenhöhe über die Stadtgestaltung diskutiert werden konnte.
Deshalb nehmen sie sich "jetzt erneut Raum, um die Notwendigkeit für ein soziales Zentrum, Raum für Austausch und die Auseinandersetzung mit den Problemen real zu leben". Den Raum wollen sie dazu nutzen, sich gemeinsam über die
Stadtentwicklung auszutauschen, Probleme aufzuzeigen, in die öffentliche Diskussion einzugreifen und die Stadt selbst zu gestalten.
Deshalb werden die Räumlichkeiten der Augenklinik zunächst eine Woche lang mit Workshops, Vorträgen und kulturellem Programm gefüllt. Die Besetzer freuen sich, dass die Gruppe "Recht auf Stadt" Marburg bereits zugesagt hat, ihre Veranstaltungsreihe rund um das Thema "Wem gehört die Stadt?“ in die Augenklinik zu verlegen.
In täglichen öffentlichen Plena soll die weitere Verwendung des Hauses diskutiert werden. Dazu laden die Besetzer alle Interessierten herzlich ein.
Die Hausbesetzer sehen sich selbst als Teil von verschiedenen Bewegungen weltweit, die sich Raum nehmen, um ihn nach ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zu gestalten sowie gemeinsam zu nutzen. "Ob in Thessaloniki, Barcelona , Istanbul, Sao Paulo oder Köln: Überall haben die Menschen ähnliche Probleme und vollziehen in der Konsequenz die gleichen Schritte", schwärmte Kim. "Sie nehmen sich, was ihnen sowie so gehört.“
pm: Aktionsgruppe Raumklinik Marburg
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