Logo: marburgnewsMobile Marburgnews

Zum Menü

Aufgerüstet


Neues Tastmodell für Blinde im Sozialamt

19.07.2013 (nmf)
Ein neues Tastmodell für Blinde und Sehbehinderte wurde im Jugend-, Sozial- und Wohnungsamt der Universitätsstadt Marburg entwickelt. Isabella Brawata und Thorsten Büchner machten bereits den Praxistest und sind begeistert.
Das neue Tastmodell vermittelt blinden und sehbehinderten Menschen einen plastischen Eindruck von der Aufteilung des Gebäudes an der Friedrichstraße. So erleichtert es nicht nur behinderten Besuchern die Orientierung.
Der taktile Übersichtsplan steht im Windfang des Eingangsbereichs. Exemplarisch zeigt er das Erdgeschoss in erhabenen, tastbaren Umrissen und kontrastreicher Farbgebung.
Die Grundlage des Modells in weiß, die erhabene Schrift in rot und schwarz können Sehbehinderte gut wahrnehmen. Das ist entscheidend, denn nicht jeder Mensch mit Sehbehinderung kann Blindenschrift lesen.
Brawata und Büchner prüften das Tastmodell erstmals und waren gleich von der gut angeordneten Darstellung der einzelnen Fachdienstabteilungen überzeugt. Auch Aufmerksamkeitsfelder und Leitlinien sind auf dem Modell leicht zu erkennen.
Aufmerksamkeitsfelder sind Noppenfelder im Boden. Sie bestehen aus quadratischen Platten, die mit einem Blindenstock ertastet werden können. Diese Felder weisen auf neue Raumsituationen wie Treppen, Aufzüge, Türen oder Toiletten hin.
Leitlinien dagegen bestehen aus parallelen Rillen im Boden. Sie dienen der Wegeführung.
Das Leitsystem des Hauses teilt den Hauptflur in drei Abschnitte. Eingelassene Platten machen deutlich, in welchem Drittel man sich gerade befindet.
"Dank dieses Systems ist der gesuchte Sachbearbeiter für blinde und sehbehinderte Menschen leichter zu finden“, freute sich Kerstin Hühnlein aus dem Fachdienst Soziales. "„Die barrierefreie Gestaltung des Jugend-, Sozial- und Wohnungsamtes besteht seit gut eineinhalb Jahren und ist ein weiteres Projekt der Stadt Marburg mit Vorbildcharakter. Das neue Tastmodell fügt sich nun als wichtiger Baustein ein. Viele andere Städte suchen den Erfahrungsaustausch mit uns.“
Im Gebäude ist jedes Stockwerk gleich. Das erleichtert die gedankliche Übertragung des Leitsystems für Blinde und Sehbehinderte auf die anderen Etagen, da es nur im Erdgeschoss ausgebaut ist.
Allerdings gibt es in den einzelnen Geschossen Hinweistafeln in Blindenschrift als Übersicht zu den Abteilungen und ihren Zimmern. Sie sollen noch überarbeitet werden, versprach Hühnlein. Nach dem Motto "weniger ist mehr“ bieten Kerninformationen leichtere Lesbarkeit.
Am Ende des Rundgangs zogen Brawata und Büchner ihr Resümee: "Das Tastmodell liefert einen guten Gesamteindruck über das Gebäude und hilft, sich leichter zurechtzufinden. Insgesamt ist die barrierefreie Gestaltung des Jugend-, Sozial- und Wohnungsamtes ein großer Fortschritt, denn viele Menschen mit Behinderung besuchen das Haus. Standards wie diese sind in Deutschland noch lange nicht gang und gäbe.“
pm: Stadt Marburg
Text 8458 groß anzeigen

www.marburgnews.de

© 2017 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg