03.07.2013 (fjh)
Mit Aufsehen erregenden Straftaten machte das friedliche Marburg am Dienstag (2. Juli) von sich reden. Wegen "Geheimdienstlicher Agententätigkeit" verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart ein Ehepaar aus Marburg-Michelbach zu mehrjährigen Haftstrafen. Einen 32-jährigen Mann verhaftete die Polizei bereits am Montag (1. Juli) wegen der Tötung seiner 37-jährigen Ehefrau.
Vor allem der Spionagefall hatte bundesweites Aufsehen erregt. Selbst die
Tagesschau berichtete in ihrer Hauptsendung um 20 Uhr über das Urteil des OLG Stuttgart.
Im Oktober 2011 hatten vermummte Beamte der Bundespollizei-Einheit GSG9 das Einfamilienhaus der Familie in Michelbach gestürmt. Dabei überraschten sie die Ehefrau, als sie gerade im Funkkontakt mit dem russischen Geheimdienst SWR stand.
Jahrelang sollen die beiden Eheleute sensible Daten über die Europäische Union (EU) und die NATO dorthin weitergereicht haben.
Ihrer Tochter war offenbar nichts bekannt gewesen über die Aktivitäten ihrer Eltern. Selbst die wahre Identität des Ingenieurs und seiner Ehefrau ist dem Gericht nach wie vor unbekannt. Das Urteil für den angeblichen "Andreas Anschlag" lautete dann auf sechseinhalb Jahre, das für seine Frau "Heidrun" auf fünfeinhalb Jahre Haft.
Wesentlich länger wird wahrscheinlich der 32-jährige Mann hinter Gitter wandern, der am Montagabend seine 37-jährige Ehefrau mit einem Messer getötet haben soll. Der Bluttat vorausgegangen war wahrscheinlich ein Beziehungsstreit. Der Ehemann selbst hatte den Notruf betätigt und dabei die Tat gestanden.
Die Mutter hinterlässt drei Kleinkinder. Sie befinden sich nun in der Obhut des Jugendamts.
Angesichts dieser beiden Kriminalfälle mag mancher vielleicht erschaudern und denken, dass Marburg doch ein gefährliches Pflaster sei. Allerdings gilt das für den Alltag in der gemütlichen Universitätsstadt garantiert nicht. Die werktäglichen Polizeiberichte prägen Delikte wie Unfallflucht, Einbrüche und Diebstähle oder hier und da einmal eine Schlägerei.
Gefährlicher als die Kleinkriminalität ist möglicherweise aber das, was Geheimorganisationen wie die "National Security Agency" (NSA) der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) heimlich mit den Daten der Bürger anstellen. Die verfassungswidrige Überwachung von 500 Millionen Telekommunikationsverbindungen monatlich allein in Deutschland lässt sich statistisch auf 500.000 Fälle in Marburg für den gleichen Zeitraum hochrechnen.
Dieser heimtückische Datendiebstahl indes scheint die meisten Menschen kalt zu lassen. Dabei müsste doch gerade diese Kriminalität wesentlich mehr Aufruhr auslösen als die Spionage in Michelbach, betrifft sie doch nahezu jede und jeden auch in Marburg ganz direkt.
Franz-Josef Hanke
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