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Mitgefühl ist Pflicht


Fünf tibetanische Mönche erstellen Sandmandala im Rathaus

23.06.2008 (sts)
Die Erstellung eines Sandmandalas hat auch das Rathaus in seiner 500-jährigen Geschichte noch nicht erlebt. Bis zum Freitag (27. Juni)werden fünf tibetanische Lamas im Rathaus akribisch an dem aus Quadraten, Kreisen und Figuren bestehenden religiösen Symbol arbeiten.
Die Aktion erfolgt im Rahmen der Tibet-Wochen des Fachgebiets Religionswissenschaften der Philipps-Universität. Sie wird von der Gemeinschaft für tibetisch-buddhistische Kultur Dharmakirti sowie der Stadt Marburg mitorganisiert.
"Die Menschen wird man nur verstehen lernen, wenn man auch ihre Kultur versteht. Daher freue ich mich sehr, dass wir dieses buddhistische Ritual hier im Rathaus vorstellen können", freute sich Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).
Besucher können täglich von 9 bis 17 Uhr die Mönche bei ihrer Tätigkeit beobachten und Fragen stellen. Um 16.30 Uhr wird jeweils ein Mönch einen Kurzvortrag über Sinn und Zweck des Mandalas halten.
"Vor zwei Jahren haben wir ein Sandmandala im Oberhessischen Museum in Gießen erstellt. Manche Leute sind täglich für mehrere Stunden vorbei gekommen und haben die Ruhe und Entspannung genossen", berichtete Sabine Tsering vom Verein "Dharmakirti".
Lama Yeshe Jamyang erläuterte die Ursprünge der rund 2.500 Jahre alten Tradition. Mandalas stellten einen himmlischen Palast dar, dessen vier Pforten die Himmelsrichtungen symbolisierten. Jedes Mandala sei Wohnort einer Gottheit und eine Repräsentation des buddhistischen Universums.
Im Rathaus werde das Mandala des Mitgefühls aus farbigem Sand erstellt. Mandalas könnten aber auch aus Stein oder Holz gefertigt werden.
Die Arbeit an diesem komplexen kosmischen Diagramm diene der Visualisierung des Glaubens, führte Jamyang weiter aus. Schon das kurze Erblicken des Mandalas hinterlasse einen positiven Eindruck beim Betrachter und gebe ihm eine Vorstellung vom Ideal des allumfassenden Mitgefühls.
Nach Fertigstellung des Mandalas wird es entsprechend der buddhistischen Tradition wieder vollständig aufgelöst. Damit soll die allgegenwärtige Vergänglichkeit verdeutlicht, aber auch die Wirkung des Mandalas an alle anderen Wesen verteilt werden, erklärte Tsering.
Der fünffarbige Sand - jede Farbe steht symbolisch für eines der Elemente - wird am Freitag (27. Juni) um 14 Uhr in einer Abschlusszeremonie in die Lahn gestreut. Allerdings geschieht das nur symbolisch, denn die Untere Wasserschutzbehörde hatte Bedenken angemeldet, da der Sand mit unbekannten Stoffen gefärbt werde. Somit darf die beruhigend-mitfühlende Wirkung des Mandalas also nicht ihren Weg in den kosmischen Kreislauf nehmen.
Stephan Sonntag
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