22.06.2008 (nur)
"Wir wollen uns bemühen, euch jeden Tag zu gefallen", lässt William Shakespeare einen seiner Narren sagen. Gefallen hat die Premiere des Theaterstücks "Die lustigen Weiber von Windsor" den 520 Besuchern am Samstag (21. Juni) allemal.
Mit der Freilicht-Aufführung eröffnete das
Hessische Landestheater (HLTH) die dreiwöchigen Schloss-Festspiele in Rauischolzhausen. Die Komödie stammt aus der Feder von Shakespeare. Der englische Dramatiker schrieb im Jahr 1598 das Stück "The Merry Wives of Windsor".
Dennoch gibt es kaum lyrische Dialoge. Vielmehr handelt es sich um ein Prosa-Stück, das der Übersetzer Hans Rothe für das moderne Theater neu gefasst hat. Inszeniert wurde die Neufassung von dem Regisseur Peter Radestock.
Den Anfang der etwa zweistündigen Aufführung machte das Bläser-Ensemble der Musik-Abteilung des Vereins für Leibesübungen (VfL) Marburg. Die neun Musiker zogen heiter und beschwingt in den Innenhof von Schloss Rauischolzhausen ein. Dort weideten Kühe und Ziegen, spielten Kinder und gingen die Bürger Windsors ihren Geschäften nach.
Das dörfliche Idyll wurde gestört, als die Ehefrauen Doris Fluth (Regina Leitner) und Margaret Knabe (Franziska Endres) unabhängig voneinander identische Liebesbriefe erhielten: "Ganz treu und schlicht, vergiss mein nicht. Auf dich erpicht bis zum Jüngsten Gericht."
Mit diesen Zeilen versuchte der fettleibige Sir John Falstaff (Jürgen Helmut Keuchel), die beiden Freundinnen um ihr Geld zu bringen. Doch die rothaarigen Bürgersfrauen waren nicht auf den Kopf gefallen. Vielmehr entdeckten sie den Schwindel und verschworen sich gegen Falstaff.
So kam es zwar zu einem Rendezvous zwischen ihm und Frau Fluth, das jedoch für den im Wäschekorb versteckten Falstaff im Wasser endete. Tatsächlich ging Keuchel im Schlossteich Baden. Wie ein begossener Pudel stieg der kugelrunde Schauspieler anschließend aus dem Wasser und ließ sich von seinen Dienern mit einer Karre abtransportieren.
Falstaffs Page Robin (Max Radestock) hatte nicht nur eine flinke Zunge, sondern auch ein schnelles Gefährt: Mit einem "Pferde-Roller" überbrachte er die Nachrichten seines Herrn.
Was Falstaff bei seinen Briefen jedoch nicht bedacht hatte, war die krankhafte Eifersucht von Fluths Ehemann (Peter Meyer). Er verkleidete sich als italienischer Gelehrter mit dem bezeichnenden Namen "Bach" und "plätscherte" als solcher ans Krankenbett von Falstaff, um seine Gattin zu überführen.
So verstrickten sich die Beteiligten in allerlei Irrungen und Wirrungen bis zum erlösenden Höhepunkt unter "Hernes Eiche".
Mit der Inszenierung von "Die lustigen Weiber von Windsor" ist Radestock eine erfrischende Sommer-Komödie gelungen. Hohen Unterhaltungswert hatte besonders die Situations-Komik von Keuchel und Meyer, die sich in ihren Rollen sichtlich wohlfühlten. Auch die farbenprächtigen Kostüme machten das Stück sehenswert.
Nora Reim
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