Logo: marburgnewsMobile Marburgnews

Zum Menü

Rap gegen Randale


Beim Neujahrsempfang für Prävention

20.01.2008 (fjh)
"Marburg ist eine liebens-, lebens- und erlebenswerte Stadt." Mit diesem Bekenntnis schloss Oberbürgermeister Egon Vaupel am Samstag (19. Januar) seine Rede zum Neujahrsempfang der Stadt Marburg.
Begonnen hatte die Veranstaltung mit einem Auftritt der "Söhne und Töchter Waldtals". Diese fünfköpfige Band war aus einem Hip-Hop-Workshop des Sankt-Martins-Hauses im Waldtal für benachteiligte Jugendliche hervorgegangen.
"Das ist doch viel besser als all das, was jetzt so diskutiert wird", meinte Vaupel in Anspielung auf die Wahlkampf-Forderungen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nach strengeren Maßnahmen gegen straffällig gewordene Jugendliche. Vaupel, der beim Elisabeth-Rap sogar einen Part des Texts übernommen hatte, wandte sich in seiner anschließenden Rede gegen derartige Konzepte. Prävention - beispielsweise durch Aktionen wie die des Sankt-Martins-Hauses - müsse absoluten Vorrang genießen, forderte er.
In einer Kneipe hätten ausländische Mitbürger über Kochs Parolen diskutiert. In ihr Gespräch hätten sie auch ihn mit einbezogen, berichtete Vaupel. Tenor ihrer Überlegungen sei die Befürchtung gewesen, in Deutschland nicht mehr willkommen zu sein. Das wiederum habe ihn dazu veranlasst, das Thema in seiner Neujahrs-Rede aufzugreifen, erklärte der Oberbürgermeister.
"136 Nationen leben in Marburg", fuhr Vaupel fort. Marburg sei eine internationale und weltoffene Stadt. Diese Offenheit sei auch notwendig für die Arbeit der Philipps-Universität, meinte das Stadtoberhaupt.
Statt härterer Strafen für Jugendliche setze er auf Prävention und frühzeitige soziale Unterstützung. Vor allem eine gute Ausbildung verhindere Jugendgewalt. Sie müsse schon im Kindergarten beginnen, wo die Stadt Marburg auf Integration und Sprachförderung setze.
"Es braucht ein ganzes Dorf, um einen Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen", zitierte Vaupel eine alte Erkenntnis. Marburg wolle so ein Ort der solidarischen Unterstützung und Förderung junger Menschen sein, versprach er.
Ihr "soziales Herz" habe die Stadt im Elisabeth-Jahr 2007 bei unterschiedlichsten Gelegenheiten unter Beweis gestellt, resümierte der OB. Er lobte den Gemeinsinn in der Stadt. Am Neujahrsmorgen hätten Mitglieder einer islamischen Reformgemeinde aus freien Stücken in Eigeninitiative die Oberstadt von herumliegenden Feuerwerkskörpern gereinigt, freute er sich.
Für das Jahr 2008 nannte der OB den neuen "Campus Firmanei", das "Lahn-Projekt"und die barrierefreie Umgestaltung des Hauptbahnhofs als wichtigste städtische Vorhaben. "Wohnen im Bahnhof" werde von vielen anderen Städten aufmerksam verfolgt, berichtete er.
Die Bundesvereinigung Lebenshilfe (BVLH) und deren Geschäftsführer Dr. Bernhard Conrads forderte Vaupel mit einem Seitenhieb auf, in Marburg zu bleiben.
Die Gäste des Neujahrsempfangs lud er ein, den Förderverein zugunsten des Marburger Chemikums zu unterstützen. "Im Jahr 1609 erhielt Johann Hartmann in Marburg die erste Chemie-Professur", erklärte Vaupel. "2008 ist das Jahr der Mathematik. Da steht Gießen mit seinem Mathematikum im Mittelpunkt. 2009 wird dann das Jahr der Chemie. Da wird es dann das Marburger Chemikum sein."
Franz-Josef Hanke
Text 83 groß anzeigen

www.marburgnews.de

© 2017 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg