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Gut abgerundet


Landestheater-Spielzeit mit reizvollen Stücken

19.04.2013 (jnl)
Das get="_blank">Hessische Landestheater Marburg reitet gegenwärtig auf einer Erfolgswelle mit vielen ausverkauften Aufführungen. Die Vorstellung der im August 2013beginnenden Spielzeit am Donnerstag (18. April) im Magistratssitzungssaal zeigte, dass sich der gute Publikumszuspruch aufgrund eines gut ausbalancierten Stückeprogramms mutmaßlich fortsetzen wird.
Die viel diskutierte Besorgnis, dass mit Wegfall der Stadthalle als der größten Spielstätte ein enormer Einbruch der Zuschauerzahlen drohen könnte, konnte die Intendanz vorerst ad acta legen. Mit der dauerhaften Bespielbarkeit der geräumigen "Galeria Classica" an der Frankfurter Straße ist für die Zeit der geplanten zweijährigen Stadthallen-Erneuerung ein brauchbarer Ersatz gefunden.
Für die große Inszenierung des "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist, mit der die Spielzeit eröffnet wird, hat man die in Marburg für ihre Kulturfreundlichkeit renommierte Lutherische Pfarrkirche gefunden. Bis zum Beginn der vorweihnachtlichen Konzerte steht das Gotteshaus, in dem Martin Luther gepredigt hat, dem Theater für die Klassiker-Aufführung offen. Intendant Faltz, der selbst die Regie übernimmt, freut sich über die enorme Herausforderung, die dieser ungewöhnliche Spielort bietet.
Weitere hochkarätige Klassiker ziehen sich durch die Spielzeit. "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bertolt Brecht wird von Regisseur Marc Becker inszeniert. Johann Wolfgang von Goethes "Faust I" bekommt als Austausch-Gastspiel der Fliegenden Volksbühne Frankfurt am Main ein frisches Gesicht durch die beiden als Kabararettisten bekannten Satiriker Michael Quast und Philipp Mosetter.
"Der Biberpelz : Eine Diebskomödie" von Gerhart Hauptmann zeichnet das Sittenbild einer deutschen Kleinstadt vor 110 Jahren. Als krönender Abschluss der Spielzeit kommt der Mega-Klassiker "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare in der Inszenierung von Gerald Gluth-Goldmann auf dem Markplatz.
Ein zweites Glanzlicht des Theatersommers werden drei bis vier Aufführungen der "Carmina Burana" von Carl Orff. Diese Kooperation mit dem Marburger Studenten-Sinfonieorchester (SsO) wird sich die nötigen Sänger auss Marburger Chören holen.
"Warum läuft Herr R. Amok" von Rainer Werner Fassbinder zeigt Regisseur Christian Fries ab September 2013 auf der "Bühne" des Landestheaters Am Schwanhof. Thematisiert wird Gewalt als plötzliches Ausbrechen von Individuen aus erstickenden sozialen Verhältnissen.
Eine Bühnenfassung des Filmklassikers "Frankenstein" bringt der Regisseur Max Merker ab November im Fürstensaal des Landgrafenschlosses. Diese gewagte Parabel über Menschlichkeit, Ethik und Gentechnik wird voraussehbar viel Neugier auch abseits der eingeschworenen Theaterfreunde hervorrufen.
"Plutos" nach Aristophanes nimmt sich Regisseur Hans-Jochen Menzel aus Berlin mit Premiere im Januar 2014 vor. Ein Bauer trifft einen Blinden, der sich als der Gott des Reichtums herausstellt. Die große Ungleichheit der Menschen in der Segnung mit materiellen Gütern muss doch das Werk eines Erblindeten sein?
"Aber nein", sagt diese Komödie. Ob sie neben Schauspielern mit Puppen inszeniert werden wird, steht noch nicht fest.
Im Februar folgt "Die Reiherkönigin - Ein Rap" von der 30-jährigen polnischen Schriftstellerin Dorota Maslowska in einer Bühnenfassung von Eva Bormann und Oda Zuschneid. Die Inszenierung verspricht, die mittlerweile 30 Jahre alte Jugendkultur Hip Hop "auf der Bühne als der Sound der Stadt" zu fassen, versehen mit "gesellschaftskritischer Dimension".
Ein Gegenwartsstück ist "Warteraum Zukunft" von Oliver Kluck, das der in Marburg bekannte Regisseur André Rößler umsetzen wird. Am 22. Februar 2014 in der Galeria Classica ist die Premiere dieses sarkastischen "Porträt einer Zeit ohne Zukunft".
Eine deutschsprachige Erstaufführung des französischen Zeitstücks "Durch den Wind" von Nathalie Fillon bringt Intendant Faltz ab März 2014 zur Aufführung. Er verspricht eine witzige Parabel auf die Gesellschaft im Mantel des "ganz normalen Familienwahnsinns".
Ein Wiedergänger ist das aus Dispositions-Gründen in die nächste Spielzeit verschobene "Sinn - Theater in der Finsternis" mit Premiere am 26. April 2014. Ganz ohne Augen-Zutun muss sich das Publikum dieses Stück von Anja Hilling vornehmlich durch Akustik erschließen.
Neben diesen zwölf Produktionen für Erwachsene bietet die Kinder- und Jugendsparte "Junges Theater" weitere fünf Produktionen. Davon sind drei Austausch-Kooperationen mit den Kindertheatern Schnawwl in Mannheim, KJT in Tübingen und Theater an der Parkaue in Berlin.
Eigene Kinder-Produktionen sind "Momo" von Michael Ende als Weihnachtsstück mit Premiere am 23. November und "Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse" von Christine Nöstlinger, das in der Inszenierung von Marc Wortel erstmals am 12. April 2014 zu sehen sein wird.
Darüber hinaus gibt es einen Theaterjugendclub für Leute zwischen 13 und 25 Jahren, ein Theaterlabor für Studenten sowie zahlreiche theaterpädagogische Vernetzungen mit den Schulen und Lehrern in der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Für das ältere Publikum wiederum gibt es Nachgespräche und Stückeinführungen sowie "Afternoon Tea" im Cafe Klingelhöfer.
Die langjährig bewährten "Extra"-Formate "Theatergespräche" und Science Slam bilden weiterhin die Sahnehäubchen. Die Moderation des Landestheater-Talks wechselt von Ruth Fühner zu Philipp Engel, der ebenfalls vom Hessischen Rundfunk (HR) kommt.
Sechs weitere Extra-Veranstaltungen sind außerdem noch angekündigt. Zwei davon stammen von der Dramaturgin Bormann. Darunter ist eine Lesung eigener Lyrik.
Ein bislang unüberschaubares "Institut für Fährnisse" in der Galeria Classica betreut die Dramaturgin Annelie Mattheis. Gespannt darf man sein auf die Bill-Gates-Satire von Matthias Greffrath, die Ensemble-Schauspieler Tobias M. Walter solo im Winter auf die Bühne bringen wird. Ebenfalls bemerkenswert sind die Projekte der Theaterpädagogen Nina Eichhorn mit "road map into the future" und Michael Pietsch mit "theatrale Recherche".
Die Eintritts- und Abonnementspreise bleiben stabil, versicherte Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow. Verwaltungsleiter Dieter Dreßen nannte Zahlen für das Jahr 2012. 45.000 Zuschauer insgesamt verhalfen dem Theater zu einem Zuwachs um 7.000, die sich auf Marburg sowie auf vermehrte Gastspiele verteilen.
Trotz der nicht zu unterschätzenden Herausforderungen durch die Ersatz-Spielstätten und vermehrten Gastspiele darf man sehr optimistisch sein für die nächste Theatersaison in Marburg. Unter Faltz strotzt das Landestheater vor Leistungsfähigkeit und Produktivität.
Jürgen Neitzel
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