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Erfolgreicher Versuch


"Die Tochter des Ganovenkönigs" beim KUSS-Festival

12.03.2013 (jnl)
Ein Erfolgsstück des Niederländers Ad de Bont brachte das Frankfurter "Theater Gruene Sosse" mit "Die Tochter des Ganovenkönigs" am dritten Tag der Kinder- und Jugendtheaterwoche (KUSS). Die ausverkaufte Aufführung am Dienstag (12. März) in der Studiobühne "Black Box" wurde von den anwesenden Fünft- bis Siebtklässlern begeistert aufgenommen.
Die Inszenierung begann mit einem Schockerlebnis. Die vier Schauspieler behaupteten doch tatsächlich, dass die versammelten Kinder nicht alt genug seien für dieses Stück.
Erst ab 13 Jahren sollte es okay sein, weil es doch um so schlimme Dinge gehe wie "Kinder verkaufen". Damit waren die überwiegend Zwölfjährigen aber gar nicht einverstanden und gaben das lautstark kund.
Ausgerechnet mit "Es war einmal...", mit dem so viele Märchen anfangen, begann das Stück dann doch. Schwupsdiwupss war man mittendrin im Leben der Tochter des reichen Ganovenkönigs, die Julchen genannt wurde.
Sie machte sich Sorgen, weil sie doch in wenigen Tagen ihren zwölften Geburtstag hatte und ihre Eltern sie dann abschieben würden ins Internat oder sonstwohin. Genauso wie ihre 11 Geschwister wollte sie nicht enden, sondern lieber kämpfen.
Julchen mit dem "goldenen Herzen" sagte also entschlossen "Nein", als ihre Eltern ihr ihre Pläne mitteilten. Als sie mitbekam, dass sie regelrecht "verkauft" werden sollte, ging sie zum Staat in Gestalt eines Richters und beantragte, getrennt von ihren Eltern leben zu dürfen.
Die folgenden turbulenten Verwicklungen waren eine famose Mischung aus Kinderkrimi und Märchen. Am Ende - nach Lügen, Verrat und Gesangseinlagen - gab's ein Happy End und eine Nachbesprechung, an der freiwillig die Hälfte der Zuschauer teilnahm.
Die Inszenierung von Sybrand van der Werf entfaltete durch Tempo, Witz und Interaktivität eine große Sogwirkung. Nicht nur war es eine handlungsreiche, spannende Geschichte; zudem wurden die Kinder an mehreren Stellen um persönliche Antworten auf brennende Fragen gebeten.
Die Schauspieler Willy Combecher, Horst Kiss, Friederike Schreiber und Verena Specht agierten mit großer Spielfreude und viel Können. Dass die "Ganoven"-Eltern sich gegenseitig häufig mit den tollsten boshaften "Kosenamen" beharkten, brachte die Zuschauer ständig zum Lachen.
Die Frage an die Kinder "Was ist schlimmer: Schlechte Eltern zu haben oder keine Eltern?" stand im Zentrum der Diskussion mitten im Stück und dann erneut bei der Nachbesprechung. Alle Antworten wurden so stehengelassen, wie sie geäußert wurden.
Ganz erstaunlich war, zu welchen Argumenten die Zwölfjährigen griffen und zu welchen Schlussfolgerungen sie teilweise kamen. Die Wachheit der sich offenkundig ernst genommen fühlenden Kinder führte dazu, dass sich ganz viele beteiligten und die lebhafte Debatte über 20 Minuten nicht abriss.
Nicht nur das Stück, sondern auch die 75-minütige Frankfurter Inszenierung ist hinreißend gelungen. Sie ist allemal einer der Anwärter auf den Preis des Festivals.
Jürgen Neitzel
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