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Lebenshilfe bald nicht mehr da


Beschäftigte befürchten Umzug nach Berlin

19.01.2008 (sts)
Eigentlich sollte das Jubiläumsjahr 2008 für die Bundesvereinigung Lebenshilfe (BVLH) ein Jahr der Feierlichkeiten werden. Doch im 50. Jahr des Bestehens der Behinderten-Organisation machen sich unter den Beschäftigten Existenzsorgen breit.
Für den Betriebsratsvorsitzenden Roland Böhm ist der für April 2009 angekündigte Umzug der Presse- und Rechtsabteilung von Marburg nach Berlin nur der Anfang einer möglichen Komplett-Verlagerung der Bundesgeschäftsstelle. Zusammen mit Gewerkschaftssekretär Jens Ahäuser erläuterte Böhm am Freitag (18. Januar) im DGB-Büro die Bedenken der Beschäftigten.
Im Juni 2007 hatte der Bundesvorstand der Lebenshilfe beschlossen, einen Teil der Marburger Geschäftsstelle in die Hauptstadt zu verlagern. Insgesamt sind 18 von 92 Beschäftigten betroffen. Neben der Presse- und Rechtsabteilung soll auch die Geschäftsleitung umziehen.
"Wir sehen den Standort Marburg in Gefahr",erklärte Böhm. "Die Finanzierung und Koordination von zwei Geschäftsstellen ist dauerhaft unwahrscheinlich.“ Lediglich die allgemeine Verwaltung sowie die Abteilungen Konzepte und Bildung sollen vorerst in Marburg bleiben. Für die vom Umzug betroffenen Beschäftigten ist ein Sozialplan entwickelt worden, der für einen Interessen-Ausgleich sorgen soll. Ahäuser schätzte die Kosten für den Umzug und mögliche Abfindungszahlungen für umzug-unwillige Beschäftigte auf rund 700.000 Euro.
"Die Leute haben nun Angst um ihre Jobs. Es fehlt eine klare Aussage zur Zukunft der Lebenshilfe in Marburg“, monierte Böhm.
Am 23. November 1958 war die Lebenshilfe in Marburg gegründet worden. Heute gibt es 529 Orts- und Kreisvereinigungen und knapp 140.000 Mitglieder.
Mit ihrer Arbeit für geistig behinderte Menschen hat die Lebenshilfe in den vergangenen 50 Jahren entscheidende Beiträge zu einem gesellschaftlichen Umdenken geliefert. "Wir haben von Marburg aus 50 Jahre lang eine gute Arbeit gemacht. Warum kann das im 51. Jahr nicht so weitergehen?“, fragte sich Böhm.
Auch für die Stadt Marburg würde der Umzug der Lebenshilfe nicht nur einen herben Prestige-Verlust bedeuten, sondern auch in finanzieller Hinsicht negativ zu Buche schlagen. "Allein durch die Teilnehmer an den zahlreichen Fortbildungskursen verzeichnen wir jedes Jahr eine vierstellige Zahl von Übernachtungen“, rechnete Böhm vor.
Stephan Sonntag
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