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Uni feierte 25 Jahre ERASMUS

07.12.2012 (ms)
Das 25jährige Bestehen des Hochschul-mobilitätsprogramms "European Region Action Scheme for the Mobility of University Students" (ERASMUS) hat die Philipps-Universität am Donnerstag (6. Dezember) und Freitag (7. Dezember) mit einer zweitägigen Tagung zum Thema "Europa in Bewegung“ begangen. Bei einem öffentlichen Festakt in der Aula der Alten Universität legte die LLP/ERASMUS-HochschulkoordinatorinChristina Bohle die Bedeutung des 1987 ins Leben gerufenen Austauschprogramms dar.
Das weltweit größte Programm zur Förderung grenzüberschreitender Mobilität von Studierenden und Lehrenden im Hochschulbereich mit derzeit 32 teilnehmenden Ländern sei von Anfang an insbesondere in Deutschland eine Erfolgsstory gewesen: "Nachdem anfangs 657 Studierende am Austausch teilnahmen, waren 2011 bereits fast 3 Millionen Studierende mit ERASMUS mobil. Allein im Hochschuljahr 2010/11 wurden über ERASMUS zirka 34.000 Mobilitäten realisiert.“
Davon entfielen im Schnitt jährlich rund 350 Auslandsstipendien auf Studierende der Philipps-Universität. "Am stärksten werden Aufenthalte in Spanien, Frankreich und Großbritannien nachgefragt, zunehmend auch in der Türkei,“ führte Bohle aus. Im Gegenzug kämen jährlich circa 250 Studierende der Partnerhochschulen für ein bis zwei Semester zum Studium nach Marburg. Am beliebtesten sei die Universitätsstadt an der Lahn unter Studierenden aus Spanien, Italien, Frankreich und der Türkei, gefolgt von Großbritannien.
Nach dem sukzessiven Anwachsen des ursprünglichen ERASMUS-Gedankens auf sieben Programmlinien plane nun die Europäische Union (EU), die derzeitigen Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf europäischer und internationaler Ebene in einem einzigen neuen Programm für die Laufzeit ab 2014 zu vereinen, legte Bohle dar. ERASMUS for all solle nach EU-Planungen fast doppelt so vielen Menschen wie bisher den Weg ins Ausland ebnen.
“An der Philipps-Universität freuen wir uns auf weitere 25 Jahre Erfolgsgeschichte mit ERASMUS,” erklärte Universitäts-Vizepräsident Prof. Dr. Frank Bremmer. "Das neue Label ERASMUS for all für die nächste Programmgeneration (2014-2020) beinhaltet ein noch umfassenderes Programm zur Verbesserung der Qualifizierung junger Menschen und zur Modernisierung des Bildungs- und Ausbildungssystems.“
führte Die Perspektiven von ERASMUS for all wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten im Rahmen zahlreicher Workshops am Freitag (7. Dezember) im Marburger Landgrafenschloss von rund 25 Fachvertretern erörtert. Kenntnis- und anekdotenreich referierte der ehemalige LLP/ERASMUS-Koordinator und Senior International Education Consultant Christopher Moss über die Einführung des ERASMUS-Programms in Marburg.
Mit knapp 20 Studierenden aus 2 Fachbereichen sei die Philipps-Universität quasi nach Europa aufgebrochen. Auch in Marburg kam es zu amüsanten interkulturellen Begegnungen mit ERASMUS-Gästen.
Moss wusste von britischen Eltern zu berichten, die entsetzt waren ob der Aussicht, dass ihr Sohn auf dem Weg zur Dusche im Studentenwohnheim von Mädchen gesehen werden könnte. Auch sei der zusammen mit der benachbarten Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) gegründete Europa-Pol zur Erhöhung von Austauschkapazitäten manchmal als Polizeiinstanz im Stil von Interpol missverstanden worden. "Dank des guten Netzwerks an ERASMUS-Koordinatoren an den beteiligten Hochschulen haben wir solche und andere Probleme immer lösen können,“ erläuterte er. "Die Förderung der Auslandsmobilität - aber auch die Unterstützung bei der Entwicklung gemeinsamer Curricula und europäischer Intensivprogramme - macht ERASMUS zu einem wichtigen Instrument der Internationalisierung des europäischen, insbesondere auch des deutschen Hochschulraums,“ resümierte Moss.
Insbesondere nach den politischen Veränderungen der späten 80er Jahre habe es ein neues Motto für akademische Reiselust gegeben: "Go East, young man/young women,“ riet er. Die Philipps-Universität habe sich zudem von Anfang an bei TEMPUS, dem Hochschulkooperationsprogramm der Europäischen Union für die Weiterentwicklung des Hochschulwesens in Mittel- und Südosteuropa beteiligt und schon früh als Experten-Center gegolten.
Grischa Schulz, der in Marburg Deutsch als Fremdsprache studiert, steuerte die studentische Perspektive bei. Er berichtete von der Erfüllung seines Lebenstraums vom Auslandsaufenthalt.
Dem sehbehinderten Studenten ermöglichte eine Zusatzförderung im Rahmen des ERASMUS-Programms ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Orientierungs- und Mobilitätsprogramm vor Ort, bevor er sein dreimonatiges Praktikum am Krakauer Goethe-Institut absolvierte. "So konnte ich schnell viele Wege allein bewältigen, bis im Zuge der Vorbereitungen zur Europameisterschaft plötzlich die Straßenbahnen wegen Bauarbeiten umgeleitet wurden,“ erzählte er.
Seine polnische Mobilitätstrainerin und viele freundliche Passanten hätten ihm geholfen, auch die Klippen von fünf verschiedenen Umleitungen auf seinem Arbeitsweg erfolgreich zu umschiffen. Als besonderen Erfolg des rundum positiv eingestuften Polenaufenthalts wertete er, dass er im Sommer als Honorarkraft für Phonetikworkshops im Rahmen einer Lehrerfortbildung erneut nach Krakau eingeladen wurde.
Der Festakt wurde umrahmt von den Violinisten Laura Johais von der Jungen Marburger Philharmonie und Stephan Gröger von der
Salzburger Universität Mozarteum sowie dem studentischen Europäischen Theaterprojekt "Dramarasmus". In einer 15-minütigen eindrücklichen Pantomime „ERASMUS Emotions“, die von einem Klangteppich überraschter Neustipendiaten mit dem Studienziel Marburg eröffnet wurde, stellten die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen beschwingt Schlüsselszenen eines ERASMUS-Aufenthalts nach. Dabei spannten sie den Bogen von bürokratischen und zwischenmenschlichen Hindernissen bei der Ankunft über den integrativen Charakter studentischen Feierns, typische Lehrveranstaltungen sowie die Anbahnung binationaler Beziehungen bis zum tränenreichen Abschied am Ende "des besten Jahres meines Lebens“.
Das Spektakel wurde abgerundet durch eine Klangcollage aus Friedrich Schillers Ode an die Freude, deren Vertonung durch Ludwig van Beethoven zur Europa-Hymne wurde. Schließlich gratulierten die Studierenden dem ERASMUS-Programm vielsprachig zum Geburtstag.
pm: Philipps-Universität Marburg
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