13.06.2008 (atn)
Für eine Umsetzung gleichstellungsorientierter Politik unter dem Stichwort "Gender Mainstreaming“ in allen Bereichen der Jugendhilfe hat sich der Jugendhilfe-Ausschuss des
Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgesprochen. Das teilte der Landkreis am Donnerstag (12. Juni) mit.
Mit diesem Beschluss hat sich bundesweit erstmals ein Landkreis für ein solches partizipatives Konzept entschieden, das alle Ebenen in die Gleichstellung der Geschlechter einbindet und nicht nur zentrale Vorgaben macht. Mit der Verabschiedung dieser Leitlinie setzt der Landkreis Marburg-Biedenkopf außerdem Empfehlungen der Europäischen Union (EU) und gesetzliche Vorgaben des Sozial-Gesetzbuchs um.
"Uns geht es dabei um die Qualität und die Ressourcen von Jugendhilfe“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. "Denn durch ein geschlechterbewusstes Vorgehen werden nicht nur Ressourcen gebündelt und ein zielgenauer Einsatz von Kapazitäten möglich. Auch die Qualität der Hilfe-Maßnahmen und Angebote steigt“, betonte McGovern.
Belegt werde das von Untersuchungsergebnissen, die seit Verabschiedung und Einführung des Gender-Mainstreaming-Prinzips im Auftrag der EU und auch deutscher Institute gesammelt wurden.
Dem Beschluss vorangegangen war eine lange Entwicklung, die bei den Arbeitsgemeinschaften "Mädchengerechte Jugendhilfe“ und "Jungenarbeit“ anfing. Sie hatten die Ausarbeitung einer entsprechenden Leitlinie in den Fachausschüssen bei der Diskussion um eine geschlechtersensible Ausrichtung von Berufsorientierung und Berufsberatung angestoßen und festgestellt, dass der Landkreis insgesamt von einer solch grundlegenden Ausrichtung profitieren kann.
Zurzeit gibt es in Deutschland nur wenige Landkreise, die sich zu solch einem Schritt entschieden haben. Einmalig ist es, dass dabei ein Modell mit breiter Beteiligung verschiedener Ebenen gewählt wurde. Angeregt durch eine Arbeitstagung mit Dr. Claudia Wallner aus Münster, hatten sich die beiden Arbeitsgemeinschaften zusammen mit McGovern für dieses Modell ausgesprochen. Ursprünglich wurde es von der Stadt Osnabrück entwickelt.
Der wesentliche Unterschied zu anderen Gender-Leitlinien besteht darin, dass nicht von oben zentral Vorgaben gemacht werden, sondern in einem Fachgremium unter Beteiligung aller Fachdienste des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales passgenaue Konzepte entwickelt werden.
Mit den "Leitlinien zur Weiterführung und Umsetzung einer geschlechterbewussten Kinder- und Jugendhilfe nach dem Prinzip des Gender Mainstreaming im Landkreis Marburg-Biedenkopf“, wie das verabschiedete Papier mit vollem Namen heisst, werden auch Fakten festgeschrieben, die seit langem sichtbar sind. Es folgten erste Festschreibungen durch die Anerkennung der beiden Arbeitsgemeinschaften nach dem Sozialgesetzbuch, wobei die Arbeitsgemeinschaft "Mädchengerechte Jugendhilfe“ schon mit Stimmrecht im Jugendhilfe-Ausschuss mitwirken kann.
"Wir fangen also nicht bei Null an“, freute sich die Projekt-Koordinatorin Angela Schmidt. "Wir gießen das Vorhandene in klare Strukturen und entwickeln es zum Wohle der Kinder und Jugendlichen weiter“, erklärte sie weiter.
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
Text 781 groß anzeigenwww.marburgnews.de