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Schon eine Woche


Für produktive Unruhe nach dem Semesterbeginn

20.10.2012 (fjh)
Jedes Jahr brechen sie wieder in Hundertschaften über Marburg herein. Doch in diesem Jahr sind sie zahlreicher den je. Den Rekord des Vorjahrs haben die Studienanfänger im Oktober 2012 noch einmal deutlich gebrochen.
Vergliche man sie mit Heuschrecken, so wäre das in einigen Punkten nicht völlig falsch. Ihre große Zahl wie auch ihr Hunger auf Neues, Nahrung und Bier könnte passen. Passen müsste Marburgs Wirtschaft allerdings, wenn es sie nicht gäbe.
Alteingesessene Hausbesitzer verdienen an hohen Mieten für winzige Studentenbuden, die sonst niemand nähme. Geschäftstüchtige Kaufleute verscherbeln ihnen alles, was junge Leute brauchen oder nur einfach besitzen wollen. Gastwirte schenken ihnen ein, bis ihre eigenen Taschen voll und die der Erstsemester leer sind.
Ohne die weit über 20.000 Studierenden wäre die Stadt Marburg in vielen Bereichen ärmer. Mehr als ein Viertel ihrer gut 80.000 Bewohner studieren an der Philipps-Universität. Dort treten sie in die Fußstapfen so berühmter Persönlichkeiten wie Michael Lomonossow, Jakob und Wilhelm Grimm, Otto Hahn, Gustav Heinemann oder Burkhard Hirsch.
Waren früher die Frauen im akademischen Betrieb noch stark unterrepräsentiert, so sind sie mittlerweile in der Mehrheit. Die Liste der Berühmtheiten mit einem Studium an der Philipps-Universität wird also künftig eher weiblich daherkommen.
Vor die Berühmtheit haben die Studienordnungen allerdings den Fleiß gesetzt. Hinzu kommt die grassierende Wohnungsnot, die dem übermäßig großen Ansturm der Studienanfänger geschuldet ist.
Gleichzeitig drängen diejenigen Jahrgänge an die deutschen Universitäten, die ihr Abitur nach nur acht Jahren absolviert haben, sowie diejenigen, die dank der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht nach dem Abitur sofort ein Studium aufnehmen. Zudem hat sich in den letzten Jahren auch der prozentuale Anteil der Studierenden an einem Jahrgang stetig weiter erhöht.
So ist Marburg nun also überfüllt mit "Erstis", großen Erwartungen und noch größeren Augen. Die Stadt wird das alles in der gleichen Ruhe bewältigen, mit der sie seit der Universitätsgründung im Jahr 1527 bereits alle Studienanfänger aufgenommen hat. Allerdings hoffen manche, dass die Studentinnen und Studenten vielleicht doch etwas mehr kreative Unruhe in der Stadt entfachen mögen als die vorangegangenen Jahrgänge. Dabei müssen ja nicht gleich Verhältnisse herauskommen wie in den späten 60er Jahren; aber ein bisschen politische Unruhe täte Marburg ganz gut.
Franz-Josef Hanke
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