06.10.2012 (fjh)
Alles Wichtige über die Wirtschaft habe er von seinem Großvater gelernt, sagt HG. Butzko. Sein Opa sei im Ruhrgebiet Bergmann gewesen. Deshalb habe er noch gewusst, wie man auf ehrliche Weise Kohlen macht.
Mit dieser Erklärung war Butzko dann auch schon bei dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Mit Anspielungen und Wortwitz machte sich der gebürtige Gelsenkirchener über den angeblichen "Finanzexperten" wie auch über Politiker im Allgemeinen lustig.
Sein aktuelles Programm "Verjubelt" brachte Butzko am Freitag (5. Oktober) im rappelvollen
Kulturladen KFZ auf die Bühne. Im Zentrum stand dabei die Finanzkrise, die der Kabarettist mit oft frappierenden Beispielen und Analogien erklärte.
Die wirtschaftliche Kompetenz Steinbrücks beispielsweise charakterisierte er mit Beschlüssen der rot-grünen Bundesregierung unter dem SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, an denen Steinbrück mitgewirkt hat. Dazu zähle die Verpflichtung von Versicherungen, ihre Anlagen durch Ratingagenburen bewerten zu lassen und das betreffende Investment bei einer Herabstufung unter die Note "AA" veräußern zu müssen. Erst habe die Bundesregierung den Ratingagenturen durch ihre Gesetzgebung Macht gegeben; jetzt beklage sie sich über die Macht der Ratingagenturen.
Komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge erklärte Butzko in Form einleuchtender Bilder und frappierender Vergleiche. Obwohl sie dadurch immer einfach und verständlich blieben, lag der Kabarettist niemals falsch. Vielmehr war der größte Teil des Abends eine unterhaltsame, vergnügliche und zugleich überraschende Einführung in die Wirtschaft.
Dabei bewies Butzko Wortwitz und sprachliches Geschick. Eines seiner Wortspiele bemühte für die Charakterisierung von Steinbrücks Politik beispielsweise die Farbenlehre des "Dichterfürsten" Johann Wolfgang von Goethe: "Mischt man Rot und Grün, wird es zum Grauen."
Nach der Pause setzte Butzko zunächst seine kabarettistische Vorlesung fort. Beginnend mit dem Entstehen von Geld als wertvolle metallene Münzen führte er das Publikum über die Gold-Deckung bis hin zur Deckung des Dollars durch Öl auf intressante geschichtliche Wege rund um die Leitwährung der Weltwirtschaft.
Geld entstehe als Schuld, erklärte er dann. Wer sein Geld durch Arbeit verdiene, der werde aus den Schulden seines Arbeitgebers entlohnt. Mit ständig neuen Belegen für diese These führte Butzko das sogenannte "Buchgeld" als "virtuelles Geld" ein.
Seine heftigste Kritik galt indes den Banken. Der Steuerzahler habe sie "gerettet", nachdem sie durch Zockerei in Schieflage gekommen waren. Mit dem Geld des Steuerzahlers brächten sie nun ganze Volkswirtschaften in Bedrängnis, die nun wiederum der Steuerzahler "retten" müsse. Tatsächlich fließe sein Geld aber nicht nach Griechenland, sondern zu den Banken.
Am Ende seines Auftritts verließ Butzko kurz die Bühne, um mit einer Perücke als "Hippie" zurückzukommen. Seine tiefschürfenden Fragen nach dem Grund der Dinge brachten die Zuschauer erneut zum Lachen: Wie ist das Schild "Betreten des Rasens verboten!" da hingekommen?
Angekommen sind Butzkos witzige Pointen am Freitagabend im KFZ sicherlich. Der Gelsenkirchener zählt - im wahrsten Sinne des Wortes - wohl zur ersten Garnitur des politischen Kabaretts in Deutschland.
Franz-Josef Hanke
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