07.06.2008 (sts)
Die Fußball-Europameisterschaft begann zwar erst am Samstag (7. Juni), echte Live-Fußball-Atmosphäre war aber schon am Freitag (6. Juni) in Marburg zu verspüren. Bei einem Internationalen Freundschaftsspiel zwischen einer Auswahl des VFB Marburg und des BSF Richtsberg gegen den FC United of Manchester waren dafür aber in erster Linie die 200 englischen Fans unter den insgesamt 750 Zuschauern verantwortlich.
Derart gepuscht, konnten die Engländer die Partie dann auch mit 3:1 für sich entscheiden. In der Halbzeit hatte das Spiel noch 1:0 gestanden.
"Unser erster Sieg in Deutschland“, freute sich der Manager der Gäste Andy Walsh. Doch im Grunde war das Ergebnis des Spiels an diesem Abend nur Nebensache. Bereits zwei Stunden vor Spielbeginn waren 250 Menschen mit Plakaten und Bannern durch die Stadt gezogen, um gegen Rassismus in Sport und Gesellschaft zu demonstrieren.
Anti-Diskriminierung ist einer der Grundsätze im Vereinsmanifest des FC United. Der Klub engagiert sich vor Ort sehr intensiv in der Jugend- und Sozialarbeit.
Die schönsten Transparente und Fahnen wurden nach der Ankunft des Demonstrationszugs im Stadion prämiert. Es gab Autogramm-Bälle von Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Die englischen Fans erhielten einen Original-Wimpel der UEFA-Cup-Partie zwischen dem 1.FC Nürnberg und Benfica Lissabon.
Entgegen aller Klischees über englische Fußballfans blieb auch während des Fußballspiels alles friedlich. Das martialische Aussehen einiger Gäste mit glatt rasierten Schädeln und vielen Tätowierungen widersprach beinahe der fröhlichen und ausgelassenen Atmosphäre, die sie mit ihren Liedern und Schlachtrufen erzeugten.
"Wir sind in Marburg sehr freundlich aufgenommen worden und fühlen uns hier total wohl“, sagte der Vorsitzende des deutschen Fanclusb des FC United, Stuart Dykes. Als äußeres Zeichen ihrer Verbundenheit trugen viele Engländer Schals des VFB Marburg. Auch die Trikots der Gastgeber waren heiß begehrte Souvenirs.
"Ich freue mich, dass vor allem so viele junge Menschen heute hier im Stadion sind und die Aktion unterstützen“, sagte VFB-Präsident Dietrich Möller.
Im Anschluss an das Spiel fand auf dem Gelände des VFB Marburg noch eine Party bis spät in die Nacht hinein statt. Für die musikalische Untermalung sorgte dabei die "Accordeon Factory". Zumindest begeisterte sie dann, wenn die englischen Fans sie mit ihren Gesängen nicht gerade übertönten.
Stephan Sonntag
Text 752 groß anzeigenwww.marburgnews.de