07.06.2008 (fjh)
"Tanz, Rhythmus und Leidenschaft" lautet der Titel des 42. Bands der Hessischen Blätter für Volkskunde und Kulturforschung. die Herausgeberinnen Dr. Kathrin Bonacker und Prof. Dr. Sonja Windmüller stellten das neue Buch am Samstag (7. Juni) bei einer kleinen Feier im Institut für Europäische Ethnologie der
Philipps-Universität vor.
Auf 256 Seiten untersuchen zwölf Autorinnen und Autoren das Phänomen "Tanz" in seiner vielschichtigen Ausprägung und Wirkung. In erster Linie handelt es sich bei der Publikation der Hessischen Gesellschaft für Volkskunde um einen wissenschaftlichen Blick von außen auf das Tanzen als Bestandteil der europäischen Alltagskultur.
Behandelt werden unterschiedlichste Tänze von den Standards wie Walzer und Foxtrott über lateinamerikanische Tänze, Disco und Rockn Roll bis hin zu deutschen Volkstänzen.
Auf sie hat der Autor Prof. Dr. Andreas Bimmer einen durchaus kritischen Blick geworfen, wurden deutsche Volkstänze doch während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Element einer deutschtümelnden Traditionspflege für propagandistische und massenpsychologische Zwecke missbraucht. Darauf geht Bimmer in seinem Beitrag ebenso ein wie auf die weitere Entwicklung des deutschen Volkstanzes nach dem Zweiten Weltkrieg.
Den unterschiedlichen Charakter verschiedener Tänze hat Bonacker untersucht. Sie beschreibt in ihrem Beitrag die Funktion des Walzers als festlich beschwingten Tanz bei vornehmen Feiern und stellt ihm den Tango als erotischen Tanz, Rockn Roll als Ausdruck jugendlicher Rebellion und Kraft oder den Blues als tänzerischen Schmusekurs gegenüber.
Bereits 2005 ist die Idee zu diesem Buch entstanden. Bonacker hatte sich vorher schon mit Tanz beschäftigt. Windmüller wiederum hatte zum Thema "Rhythmnus" gearbeitet. So bildet der neue Band eine willkommene Symbiose zwischen den Interessensgebieten der beiden Forscherinnen.
Auch die praktische Umsetzung des Themas kam am Samstagabend nicht zu kurz: Erst zeigte die zwölfjährige Ballett-Elevin Anna Schüller aus Cölbe ihr tänzerisches Können. Danach führte ein Paar der Tanzschule Henseling Standard-Tänze wie Walzer und Tango sowie gekonnte Figuren auf höchstem Niveau vor.
Das neue Buch hingegen behandelt das Thema dann doch eher theoretisch und wissenschaftlich. Eines aber haben die Herausgeberinnen in ihrem umfangreichen Werk bewusst vermieden: Sie liefern keine Definittion des Begriffs "Tanz".
Franz-Josef Hanke
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