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Ganz lustig


13. Marburger Varietésommer knüpfte an Vorgänger an

10.08.2012 (fjh)
Geschaffen wurde er als gesundes Gegengift gegen das lähmende Sommerloch. Bereits zum 13. Mal findet von Donnerstag (9. August) bis Sonntag (26. August) in der Waggonhalle der Marburger Varietésommer statt. Wieder einmal präsentieren mehrere Künstler nach bewährter Manier ein gemeinsames Programm aus Zauberei, Artistik und Comedy.
Bei der Premiere des 13. Marburger Varietésommers am Donnerstagabend stand Comedy allerdings stark im Mittelpunkt. Auch die Darbietung des Zauberkünstlers Juno alias Horst Lohr und des trotteligen "Hausmeisters Stanke" waren eher Clownerie als Akrobatik oder Fingerzauber.
Hervorragend zeigten "Linne & Riesling" ihr komödiantisches Können. Ihre Moderation geriet allerdings auch manchmal etwas langatmig, was ebenso für Juno und Stanke galt.
Insgesamt aber waren vor allem Linne und Riesling der Grund vieler herzhafter Lacher im Publikum. Wenn "Herr Riesling" zu Beginn neben seinem Kollegen Linne stand und dessen Moderation pantomimisch karikierte, dann war das einfach nur komisch.
Hervorragend waren seine hilflos wirkenden Versuche, einen Luftballon am Boden zu halten, den er zunächst aufgeblasen hatte und der ihn dann nach oben zu ziehen drohte. Immer wieder rief er mit kläglichem Tonfall um "Hilfe".
Artistisch und ohne jede Comic-Allüre zeigte Natalie Reckert im ersten Teil der Show erstaunliche Körperbeherrschung. Auf einer Hand drehte und wendete sie sich hin und her, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren.
Nach der Pause präsentierte sie sich auch als Tuchakrobatin. Gekonnt kletterte sie an einem Vorhang hinauf und zeigte dabei kleine Kunststücke.
Mit einigermaßen gelungenem schweizerischem Akzent präsentierte Juno seine Zauberkunst. Dabei bezog er das Publikum mit ein, um so seine Kartentricks spannender zu gestalten. Insgesamt waren sie jedoch zu altbacken und langatmig.
Ähnliches gilt auch für "Hausmeister Stanke". Er baute eine Teppichstange auf und kämpfte dann mit dem Teppich und dem Teppichklopfer. Kleinere Kunststückchen machten diese altbackene Komik aber auch kaum besser.
Herausgerissen wurden diese kleinen Schwächen durch die gekonnte Swing-Musik der "Jazzrobots". Die junge Band brachte das Gefühl der 30er, 40er und 50er Jahre in den Pausen und zwischendurch erfrischend zeitlos zu Gehör. Mitunter begleitete sie Künstler auch bei ihren Vorführungen.
Zweifellos der Höhepunkt war Marcel Peneux. Der US-amerikanische Stepptänzer brachte einen Hauch von Las Vegas in die Waggonhalle. Nachdem er mit Größen wie Sammy Davis Junior aufgetreten war, verkörperte er dieses Flair absolut glaubwürdig.
Rasant rasten seine Füße über den Bühnenboden. Im Takt begleiteten sie die bekannten Swing-Klassiker, die die "Jazuzrobots" dazu ertönen ließen.
In seiner zweiten Nummer forderte auch er das Publikum zum Mitmachen auf. Er trampelte, klatschte in die Hände, schnippte mit den Fingern und schnalzte mit der Zunge Rhythmusfolgen vor, die das Publikum dann nachzumachen versuchte. Vollkommenes Scheitern war jedoch vorprogrammiert, als er eine unnachahmlich schnelle Folge blubbernder Geräusche absonderte.
Das tobende Publikum bereitete ihm einen grandiosen Abgang. Leider folgte beim gemeinsamen Auftritt aller Künstler dann aber statt der swingenden Klänge der "Jazzrobots" eine ohrenbetäubende Disco-Musikbegleitung, die den vorherigen Genuss weitgehend zunichte machte.
Herausgerissen wurde das dann allerdings durch die Zugabe. Zu den einfühlsamen Klängen des "Wiegenlieds" von Johannes Brahms legten sich die beiden Moderatoren im Nachthemd in ein großes Bett, wo sie ihre Pantomime noch einmal gekonnt umsetzten. Am Ende krochen dann alle Mitwirkenden unter der Bettdecke hervor auf die Bühne.
Insgesamt war der Abend vergnüglich und sehenswert. Allerdings ist das Varieté erneuerungsbedürftig. Nachdem zwischenzeitlich drei verschiedene Varieté-Programme im Sommer, Frühjahr und Winter angeboten werden, kennen die Dauerbesucher fast alle Protagonisten bereits.
Etwas mehr Schwung und neue Ideen wären hier wohl hilfreich, um dem Varieté seine Freunde auf Dauer zu sichern. Immerhin war die Waggonhalle bei der Premiere bis auf den letzten Platz besetzt. Zudem zeigte das Publikum durchaus, dass ihm das vielseitige Programm gut gefallen hat.
Franz-Josef Hanke
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