04.06.2008 (fjh)
"Die im Dunkeln sieht man nicht" hat Prof. Dr. Thomas Welskopp seinen Vortrag über "Netzwerke organisierter Kriminalität im Chicago der 1920er" genannt. Die Veranstaltung im Rahmen des "Studium Generale" findet am Donnerstag (5. Mai) ab 20 Uhr im Hörsaalgebäude an der Biegenstraße statt.
Große Verbrecherorganisationen haben viele Hunderte oder gar Tausende Mitglieder, die berufsmäßig und arbeitsteilig ihrem Geschäft nachgehen. Dabei ist die Organisation aber nicht zentral verwaltet oder straff mit klaren Hierarchien und Machtverhältnissen ausgestattet.
Wesentlich sind die einzelnen Personen und ihre Einbindung in ein Netzwerk von Beziehungen, das die zentrale Verwaltung ersetzt und die Tarnung erleichtert. Zusammengehalten wird das Netzwerk von Zweier-Beziehungen über Gefälligkeiten, Loyalität, Bestechung und Bedrohung.
Am Beispiel der Alkohol-Syndikate im Chicago der 20er Jahre, in denen bis zu 10.000 Personen organisiert waren, wird der Bielefelder Historiker Thomas Welskopp über eine bemerkenswerte Fallstudie berichten, in der er die Strukturen und Machenschaften der Alkohol-Syndikate untersucht und die Mitglieder, ihre Verbindungen und ihre Aufgaben im Netzwerk analysiert hat.
Welskopp hat in Bielefeld und Baltimore studiert und in Berlin, Stanford, Zürich und Göttingen geforscht und gelehrt, bevor er 2004 den Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte moderner Gesellschaften an der Universität Bielefeld angetreten hat. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören die Arbeitsbeziehungen in der deutschen und amerikanischen Eisen- und Stahlindustrie ebenso wie die Geschichte der Arbeiterbewegung in Deutschland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Seine Arbeit zu den Verbrecher-Netzwerken in Chicago ist angelegt als Teil einer Sozial-, Kultur- und Politik-Geschichte der amerikanischen Gesellschaft in dieser Zeit. Der Vortrag findet abweichend vom üblichen Vortragstag am Donnerstag zur bekannten Zeit um 20.15 Uhr im Auditorium Maximum (AudiMax) statt.
pm: Philipps-Universität Marburg
Text 734 groß anzeigenwww.marburgnews.de