23.05.2012 (ms)
Den Standort Marburg des
Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) besuchten Landrat Robert Fischbach und der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Sie wollten sich um den dortigen Umgang mit dem gefährlichen MRSA-Erreger informieren.
Der Fachbereich Gesundheit des Kreisverwaltung ist die Hygieneaufsicht für die Krankenhäuser im
Landkreis Marburg-Biedenkopf. Fischbach verwies auf die gute Zusammenarbeit des Universitätsklinikums mit dem Landkreis im Netzwerk der Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf.
Von dem vorbildlichen Umgang mit den Gefahren durch den MRSA-Erreger gehe ein gutes Signal aus. Dafür machte er der Klinik ein Kompliment.
McGovern verwies darauf, dass der Landkreis mit seinem Fachbereich Gesundheit von den Erfahrungen des Universitätsklinikums profitiere. Es sei wichtig, dieses Verfahren kennenzulernen. Aus seiner Sicht ist das MRSA-Screening des Klinikums vorbildlich.
Unter Leitung des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Jochen A. Werner wurde eindrucksvoll das dort gewählte Verfahren zur Eindämmung des MRSA-Erregers aufgezeigt. Seit Ende 2011 wird ein spezielles Überwachungsverfahren an Patientinnen und Patienten durchgeführt. Damit soll eine mögliche Besiedelung mit dem bekannten Krankheitserreger "MRSA" bereits bei der Aufnahme in der Klinik festgestellt und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Patienten wie auch der Mitarbeiter eingeleitet werden.
Die beiden Hygiene-Experten Prof. Michael Lohoff vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene sowie Prof. Reinier Mutters vom Institut für Medizinische Mikrobiologie zeigten auf, wie der Erreger einzustufen ist und wie man ihm begegnet. In Forschungen kam heraus, dass es gewisse Risikogruppen gibt, die dem Screening unterzogen werden sollten. Das sind zum Beispiel Personen, die kürzlich einen Krankenhausaufenthalt hatten, Personen, die aus Alters- und Kinderheimen kamen, Personengruppen, die in Mastbetrieben tätig sind oder etwa Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten.
Neben anderen Fachleuten aus dem Klinikum erläuterte der Leiter des Zentrums für Notfallmedizin Privatdozent Dr. Clemens Kill, wie die Patientenaufnahme im Hinblick auf das MRSA-Screening funktioniert. Bei jeder Aufnahme werden die Patienten entsprechend abgefragt.
Alle potentiellen Risikopatienten werden auf MRSA untersucht, wobei man je nach Fall auf zwei verschiedene Zellkulturtests zurückgreifen kann. Auf diese Weise lässt sich der Erreger insgesamt ziemlich eingrenzen und entsprechend behandeln.
Diese Untersuchungen erfolgen sowohl bei Notfallpatienten in der Zentralen Notaufnahme wie auch bei geplanten Aufnahmen. Ende Oktober 2011 hatte das Klinikum mit diesem Screening begonnen. Von den rund 16.000 Patienten bis Ende April 2012 wurden 4.878 Patienten nach dieser Risikoeinstufung überprüft.
Davon waren 2,7 Prozent Träger des MRSA-Erregers. Das wichtigste Ergebnis aus Sicht der Fachleute war, dass 93,2 Prozent der MRSA-Fälle von außen mitgebracht wurden.
Die bedeutsamsten Maßnahmen sind neuartige Matratzen, deren Auflage leicht gewaschen werden kann sowie das Tragen von Einmal-Schutzkitteln und Handschuhen bei den Risikogruppen. Das dient sowohl zum Selbstschutz der Mitarbeiter als auch zur Verhinderung von Übertragungen.
Die Matratzen gelten allgemein als großer Gefahrenherd für die Übertragungen. Deswegen sind die schon zu großen Teilen eingesetzten neuen Matratzen im Klinikum besonders wichtig.
Deutlich wurde auch, dass die Patienten und die Mitarbeiter des Universitätsklinikums das Screening positiv bewerten, da es letztlich für alle ein Stück zusätzliche Sicherheit darstellt. Die Übertragung des Erregers kann dadurch ganz entschieden vermindert werden. Für die Patienten kommt es zu einer deutlich höheren Sicherheit durch gezielte Therapien selbst im Falle einer Trägerschaft des Erregers.
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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