23.05.2012 (ms)
Mit rund 130 Zuhörern und interessanten Vorträgen ist eine Informationsveranstaltung des Kreises zum Thema Windkraft erfolgreich verlaufen. Der
Landkreis Marburg-Biedenkopf hatte dazu für Dienstag (22. Mai) Vertreter von Kommunen, Wirtschaft, Handwerk, Landwirtschaft und interessierte Bürger ins Landratsamt eingeladen.
Landrat Robert Fischbach betonte, dass mit der Energiewende in den kommenden Jahren eine Herkulesaufgabe zu bewältigen sei. "Deshalb ist es wichtig, umfassend zu den verschiedenen Themen zu informieren", meinte Fischbach. "Denn in dem fortschreitenden Prozess lernen alle immer wieder neu dazu.“
Auch das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Kassel habe beim Thema Windkraft neue Aspekte in die Diskussion eingebracht.
Harald Metzger vom Dezernat Regionalplanung beim
Regierungspräsidium Gießen informierte über das Thema "Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen“. Er bezeichnete dabei transparente Verfahren, offene Kommunikation, die frühzeitige Information und die interkommunale Zusammenarbeit als wichtige Säulen.
Metzger teilte mit, dass das
Land Hessen derzeit gerade einen Erlass zu den naturschutzrechtlichen Vorgaben bei der Planung von Windkraftanlagen erarbeitet. So würden klare Vorgaben geschaffen, meinte Metzger.
Durch das VGH-Urteil falle zunächst die überörtliche Steuerung der Windenergie-Entwicklung in Mittelhessen durch den Regionalplan weg. Metzger betonte aber auch, dass die Methodik zur Ausweisung von Vorranggebieten durch das Gericht nicht beanstandet worden seien.
Nochmals stellte Metzger klar: "Der Regionalplan legt keine Standorte für Windkraftanlagen fest. Er schafft nur die planerischen Grundlagen.“ Größere zeitliche Verzögerungen in der Planung von Windenergie-Anlagen sieht er durch das Urteil nicht.
Evelyn Bamberger von der Firma Wagner & Co stellte verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung für Energieanlagen vor. Am Beispiel verschiedener Solaranlagen erläuterte sie Betreibermodelle wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), Genossenschaft oder Sparbrief. Diese Modelle lassen sich nach ihrer Ansicht auch auf Windkraftanlagen übertragen.
Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg aus Romrod berichtete über die Energiegenossenschaft Vogelsberg. Dieses erfolgreiche Modell sei ein Instrument, um Bürgerbeteiligung in die Tat umzusetzen.
Die Genossenschaft war im August 2011 mit 58 Mitgliedern gestartet. Jetzt verzeichnet sie bereits 194 Mitglieder.
"Die Energiegenossenschaft Vogelsberg ist eine gute Möglichkeit, die Chancen der Zukunft und der Energiewende zu gestalten und die Gestaltungsmöglichkeiten dafür vor Ort zu behalten“, meinte die Bürgermeisterin. Die Genossenschaft garantiere eine Wertschöpfung in der Region, biete Bürgerbeteiligung und eine gerechte Verteilung des wirtschaftlichen Ertrags.
Zudem könne sich die Bevölkerung mit den Projekten identifizieren. Auch der Kapitalabfluss aus der Region werde minimiert. Die Wertschöpfung in der Region bezeichnete sie - gerade für wirtschaftlich schwächere Gegenden - als eine Art Rettungsschirm.
"Die Bürgerbeteiligung ist ein großer Schlüssel zum Erfolg", bekräftigte Fischbach. "Der Landkreis hat im Prozess der Energiewende eine Moderatoren- und Koordinatorenrolle inne und hilft den Kommunen, tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.“
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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