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Tag des Wettkampfs


Frauen liefen im Georg-Gaßmann-Stadion

01.06.2008 (nur)
Am Sonntag (1. Juni) stehe ich um 9 Uhr auf. Ich ziehe Sport-Kleidung an und schwinge mich aufs Fahrrad. Das Ziel meiner Fahrt ist das Georg-Gaßmann-Stadion. Hier gehe ich an den Start des dritten Frauen- und Mädchenlaufs.
Vor der Tribüne sind verschiedene Stände aufgebaut. An einem kann man sich für den Lauf anmelden.
Ich bezahle die Startgebühr von vier Euro. Außerdem hat sich ein Kollege meines wöchentlichen Lauftreffs dazu bereit erklärt, zehn Euro für einen guten Zweck zu spenden.
Alle Einnahmen der Veranstaltung fließen in die gemeinnützige Arbeit vom Frauen-Finanzierungsnetzwerk "Zastra", vom Mütterzentrum, vom "Notruf" und vom Selbstverteidigungs-Kurs-Institut "Wendo".
Ich begrüße Christa Winter per Handschlag. Die Leiterin des Gleichberechtigungsreferats der Stadt Marburg freut sich, dass ich mein Versprechen gehalten habe, beim Lauf mitzumachen.
Meine Teilnahme hatte ich bereits bei der Pressekonferenz am Mittwoch (14. Mai) zugesagt. Im Gegensatz zu den anderen Pressevertretern habe ich als einzige meine Laufschuhe geschnürt.
"Frau Kojic ist schon auf der Strecke", ruft mir Winter noch zu, als ich mich zum Start begebe. Auf der Tartanbahn halte ich Ausschau nach der Schirmherrin des Laufs.
Die Trainerin des Basketball-Clubs "Pharmaserv Marburg" dreht mit den Spielerinnen Jana Heinrich und Maralena Schön erste Runden im Stadion.
"Wenn sie das nächste Mal an der Tribüne vorbeikommt, hänge ich mich an sie", beschließe ich. Tatsächlich geht mein Plan auf: Kojic und ich laufen nebeneinander auf der Bahn.
Dann verabschiedet sich die Schirmherrin zur Autogrammstunde am Streckenrand. Ich dagegen lege jetzt erst richtig los.
Zusammen mit einer Freundin laufe ich lockere zehn Runden. Als ich in der elften Runde an der Tribüne vorbeikomme, nehme ich dankbar einen Plastikbecher Mineralwasser entgegen.
Zwischenzeitlich ist das Thermometer auf fast 30 Grad gestiegen. Auch die Zuschauer schwitzen. Denn im ganzen Stadion gibt es keinen Schatten.
"Zum Glück habe ich mich zuvor mit Sonnencreme eingeschmiert", fährt es mir durch den Kopf. Da sehe ich plötzlich einen weinenden Jungen auf der Bahn stehen.
Die Mädchen mit Kopftüchern sind davongerannt und haben ihn alleine zurückgelassen. Sie sind mit ihren Müttern vom "Treffpunkt Richtsberg" ins Stadion gekommen. Die Musliminnen verkaufen gefüllte Teigtaschen und erfrischende Getränke.
Meine Freundin nimmt sich des Jungen an. Ich pfeife die Mädchen zurück. Später sage ich zu meiner Freundin: "Das war also die Kinder-Staffel."
Außer den Kindern überhole ich vereinzelt Frauen. Darunter erkenne ich Dr. Christiane Amend-Wegmann. Die neue Bäder-Direktorin walkt.
Wie ich später erfahre, haben sich insgesamt 65 Frauen zum Lauf angemeldet. Manche von ihnen haben namhafte Sponsoren wie den Oberbürgermeister Egon Vaupel, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und die Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach.
Auch ich lasse mich sponsorn. Außer dem Pauschalbetrag zahlt mein privater Sponsor fünfzig Cent pro Runde. Aus diesem Grund habe ich mir mindestens 25 Runden vorgenommen.
Eine Stadionrunde sind 400 Meter. 25 Runden wären also genau zehn Kilometer.
"Das schaff' ich locker", denke ich. Dagegen steigt meine Freundin nach der 17. Runde für eine kurze Erfrischungspause aus. Ich laufe eine schnelle 18. Runde.
Jedes Mal, wenn ich an der Tribüne vorbeikomme, werde ich wie ein Held gefeiert. Außerdem ertönt lautstark Aerobic-Musik aus den Stadion-Lautsprechern.
So motiviert laufe ich weitere sieben Runden. Als ich gerade an die englische Marathon-Läuferin Paula Radcliffe denke, kommt mir eine Frau auf Stelzen entgegen.
Dagmar Kräutle vom Mehrweg-Clown-Theater ist als "Lady Amelie" unterwegs. Die Stelzen-Läuferin wird von Winter gesponsert. So kommt eine Spende von insgesamt 1.800 Euro zusammen.
Vor lauter Verwunderung über die Frau auf Stelzen laufe ich einfach weiter statt nach der 25. Runde aufzuhören. Als ich den "Fehler" bemerke, packt mich der Ehrgeiz: "Jetzt kannst du auch die 30 voll machen."
Tatsächlich laufe ich solange wie mich meine Füße tragen. Nach 31 Runden beende ich meinen persönlichen Frauenlauf. Zu meiner großen Freude entdecke ich im Stadion eine kostenlose Massage-Liege.
Nora Reim
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