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Lernbedarf


Wenn Mensch und Schule nicht zusammenpassen

23.03.2012 (jnl)
Ein weiteres Glanzlicht der Hessischem Kinder-und Jugendtheaterwoche setzte am Donnerstag (22. März) das Theater Überzwerg aus Saarbrücken mit "35 kg Hoffnung". Das von der Regisseurin Petra Wüllenweber nach einem Prosa-Buch der französischen Autorin Anna Gavalda für die Bühne eingerichtete 60-Minuten-Stück machte mächtig Spaß.
Gezeigt wird der verzweifelte Kampf des 13-jährigen David um - für ihn tragfähige -menschliche Beziehungen. Zuhause wie in der Schule läuft es schlimm für ihn. Gerade hat ihn erneut eine Schule rausgeschmissen.
Seine Eltern verstehen überhaupt nicht, wie sie ihm helfen könnten. Nur mit seinem Großvater Leon teilt er eine tiefe Bindung und gemeinsame Interessen.
In vielen kleinen Spielszenen wurde aus der Perspektive von David die emotional triste Atmosphäre seines elterlichen Zuhauses und die kontrastierende Welt bei den Großeltern gezeigt. Das war dann oft sehr humorvoll, denn David sorgte mit seinen zahlreichen Basteleien und Erfindungen für viele Lacher.
Seiner Oma zum Beispiel hatte er Stahlfedern in die Absätze der Schuhe eingebaut. Damit sollte sie leichter die Treppen hochkommen, was natürlich nicht funktionierte.
Die Entwicklung seiner Unbeliebtheit in der Schule schilderte David ausgiebig, in dem er sie den Zuschauern pointensicher erzählte.
Das bedrohliche Sterben seines im Rollstul sitzenden Opas spornte David an, sich doch noch einmal außerordentlich anzustrengen. Tatsächlich schaffte er so die Leistungsanforderung eines technischen Gymnasiums. Das klappte aber nur, weil die Liebe so viel Kraft mobilisiert.
Die Ausstattung der Inszenierung durch Ulrike Meinik war einfach und funktional. Ein paar Stühle und Stellwände genügten.
Die Regie ließ keinen Moment Langeweile aufkommen. Bei der Besetzung der Großvater-Rolle griff man auf den Senior-Schauspieler Jürgen Kirchhoff zurück, was sich als goldrichtig erwies.
Die Hauptrolle für Nicolas Bertholet als David erwies sich als Traumbesetzung. Dass ein Endzwanziger derart glaubwürdig einen 13-jährigen Jungen verkörpern könnte, hätte man zuvor nicht für möglich gehalten.
Größten Anteil am Gelingen der Inszenierung hatten die vier Schauspieler. Die beiden exzellenten Darsteller der Eltern - Reinhold Rolser und Isabelle Groß de Garcia - schafften unglaublich viele rasante Verwandlungsaktionen. Nie waren sie klamaukig!
Als etwas unglücklich wurde von den Schauspielern beklagt, dass einige geistig behinderte Zuschauer-Kinder von der Geschichte und dem Tempo sich offenbar überfordert fühlten. Sie machten wiederholt durch laute Geräusche auf sich aufmerksam.
Die erzählerisch und emotional äußerst packende 60-minütige Aufführung kam bei den mehrheitlich Fünft- und Sechstklässlern ungeheuer an. Der Applaus war dementsprechend stürmisch.
Jürgen Neitzel
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