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Journalismus heute


Pulk Fiktion zeigte Kindern, wie Nachrichten entstehen

21.03.2012 (jnl)
Menschen ab 10 Jahren nahezubringen, wie heutige Fernsehnachrichten entstanden sind, ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Die junge Theatergruppe "pulp fiction" mit Mitgliedern aus Bonn und Hildesheim nahm sich dieses - im Kinder-und Jugendtheater der Gegenwart unterrepräsentierten - Themas an.
Nachrichten sind "das Fenster zur Welt", sagte die Ankündigung. Aus ihnen erfahre man, was wichtig ist im Rest der Welt. Das ist der Anspruch und die Theorie.
Wie aber kam die Aufklärung des Nachwuchses über "Nachrichten" beim "kuck! schau! spiel!"(KUSS)-Festival ins Theater? Die Umsetzung durch "Pulk Fiktion" geschah mittels einer fiktiven Fernsehsendung mit gleich zwei Moderatorinnen auf einmal.
Hannah Biedrmann und Karoline Kähler mimten eingangs die aus den Fernseh-News-Formaten bekannten unterleibslosen "sprechenden Köpfe". Dann zeigten sie die vorher weggelassene Hälfte, indem sie nun ohne Köpfe Tanzbewegungen vollführten.
Ein per Beamer projezierter Film mit Kindern, von denen jedes eine einzige eigene Frage zu den Nachrichten in die Kamera sagte, war der Glanzpunkt der 60 Minuten Aufführung. Ob Nachrichtensprecher auf's Klo dürfen oder bestraft werden, wenn sie beim Vortragen lachen müssen, wollten die pfiffigen Kleinen zum Beispiel wissen.
Die Moderatorinnen griffen sich einzelne Themen davon nach und nach heraus. Der größte Teil der Antworten wurde ganz untheatermäßig per Film-Interview mit einer Nachrichten-Redakteurin abgehakt.
In schrecklich an schlechten Schulunterricht erinnernder Manier wurde die Historie der Nachrichtentechnik von den Signalfeuern auf Bergen um 1000 vor Christus bis heute per Jahreszahlen abgeklappert.
Ganz in ihrem Element schienen die beiden "Moderatorinnen", sobald sich alles um Fernsehen drehte. Am Beispiel der Mondlandungs-Berichterstattung aus dem Jahr 1969 nutzten sie ein einziges mal Theaterstilmittel, indem sie mit Motorradhelmen verkleidet zu "Major Tom"-Musik Astronaten auf dem Mond mimten.
An dieser Stelle unternahmen sie es auch, das Lernziel "Kritikfähigkeit" bei den Kindern zu fördern. Sie klärten auf, dass es etliche Kritiker gibt, die behaupten, dass die Mondlandung niemals real stattgefunden habe.
An dieser Stelle schaltete sich kurz der bis dahin als Tontechniker am Mischpult eingesetzte Sebastian Schlemminger ein. Er sagte, die Kritiker mit ihren Indizien seien allesamt widerlegt.
Mit farbbasierter Bildfreistellung per Bluescreen-Technik wurde erfahrbar, dass die Kamera jeden beliebigen Hintergrund in ein Fernsehbild einblenden kann. Ein Junge, der vor einer fiktiven Disneyland-Folie aufgenommen wurde, kann später manipulativ als Katastrophen-Zeuge herhalten.
Die Sympathie der Kinder im Publikum eroberte sich "pulk fiction" mit mehreren Mitmachaktionen, bei denen insgesamt sechs Sprösslinge mit auf die Bühne durften.
Ein hübscher Einfall der Macher war es, statt einer weiteren Beamer-Einspielung einzelne Kinder die Höhe der Anteile von Politik, Sport und Unterhaltung an den Nachrichtensendungen darstellen zu lassen.
Angesichts des hohen täglichen Medienkonsums der meisten Kinder und Jugendlichen wurde es durchaus einmal Zeit, dass Medienpädagogik auch im Kindertheater Eingang findet.
Insgesamt war diese als "Lecture Performance" angekündigte Show weder eine mit Stilmitteln des Theaters arbeitende Aufführung, noch wurde sie der Altersgruppe "10+" gerecht. Gut gemeint war die Wahl des Themas, schlecht aber, dass das arg "verkopft" geschah. Selbst die verwendete Sprache war eher eine für Studenten-Seminare als eine auf den Begriffs-Wortschatz von Zehnjährigen angepasste.
Vielen Kindern hat es trotzdem gefallen, mal im vom Theater "nachgemachten Fernsehen" Platz nehmen zu dürfen. Wieviel sie von den transportierten Informationen verstehen und mitnehmen konnten, steht auf einem anderen Blatt.
Jürgen Neitzel
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