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Weiterhin gekürt


Jury-Arbeit beim Landestheater lohnendes Ehrenamt

13.03.2012 (jnl)
Die Vorstellung der Jury beim "Kuck! Schau! Spiel!"-Festival des Hessischen Landestheaters Marburg am Montag (12. März) bot überraschende Einsichten. Das Richter-Ehrenamt über den - mit stolzen 2.000 Euro ausgestatteten - Preis des Freundeskreises des Hessischen Landestheaters ist gar nicht so ohne!
Zwei Mitglieder weniger als im Vorjahr hat das - überwiegend aus Kindern und Jugendlichen bestehende - Gremium im Jahr 2012. Nur zwei aus der nun siebenköpfigen Jury sind wirklich neu dazugekommen.
Sollten nicht eigentlich ganz viele Theater-Neugierige unter den Schülern sich um diese tolle Chance reißen? Leider tun sie das nicht.
Aber woran liegt das? Und warum sind die Jungen so wenig vertreten?
Im Gespräch mit den Mädchen und Frauen in der Jury lichtete sich das Dunkel um die vermeintliche Faulheit rasch. Jury-Mitglieder müssen alle Stücke im Wettbewerb angucken, die ihrem Alter entsprechen. Das bedeutet, dass sie während der gesamten Kinder- und Jugendtheaterwoche in der Schule fehlen. Natürlich können sich das nur gute Schüler leisten.
Die elfjährige Clara Driesen merkte an, dass alle die Hausaufgaben der Woche nacharbeiten müssen. Das ist unvermutet hart. Aber so sind die Bedingungen wegen des - um ein Schuljahr verkürzten - Abitur nach acht Gymnasialjahren (G8) nun einmal.
Das ist aber noch nicht alles, was Schüler davor zurückschrecken lässt, sich als Juror beim Festival zu bewerben. Denn bis auf zwei Schülerinnen kommen alle aus Umlandgemeinden im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Das heißt, Eltern oder Großeltern müssen einspringen, um sie eine Woche lang häufig nach Marburg zu fahren und hinterher wieder dort abzuholen.
Da also liegt der größte Hund begraben, warum sich so wenig Schüler für die Jury melden. Ständig für den eigenen Nachwuchs einen Bring- und Hol-Service zu bieten, können die wenigsten Eltern.
Außerdem bringt die Tätigkeit aber - wie die Jury-Mitglieder versicherten - nicht nur viel Spaß, sondern ist durchaus auch anstrengend. So viele Theaterstücke in kurzer Zeit zu besuchen und dann mit Anderen zu besprechen, fordert Durchhaltevermögen.
Auch scheint es vielen Heranwachsenden nicht leicht zu fallen, für sich ein begründetes Urteil zu finden und das laut vor der Gruppe zu vertreten. Je weniger sie schon ausprobiert haben, desto schüchterner sind die jungen Menschen.
Die theaterbegeisterte Friederike Zech (16) wirft in die Runde, dass sich nicht so viele Jugendliche so stark für Theater interessieren wie die in der Jury. Auch das ist bestimmt ein Grund.
2012 findet die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche in Marburg bereits seit 17 Jahren statt. Begleitend dazu laufen im Hintergrund mittlerweile rund hundert Klassen-Theaterworkshops an Schulen im ganzen Landkreis und darüber hinaus.
Entsprechend den mit dem Landestheater getroffenen Vereinbarungen kümmern sich an vielen Schulen im Kreis darum mittlerweile Lehrer für Darstellendes Spiel. Dennoch sollte man trotz all dieser Förderung nicht erwarten, dass sich überall eine große Bereitschaft für anstrengende Extra-Aufgaben von selbst ergibt.
Nichtsdestotrotz ist es toll, dass es immer wieder Dazukommende gibt. Vor allem sind es anscheindend Mädchen, die die Herausforderung "Jury" annehmen und lieben. Vielleicht sollte man sich ein paar Tricks ausdenken, künftig auch Jungen stärker zu begeistern.
Jürgen Neitzel
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