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Eingesprungen


Klingendes Prag in der Statthalle

07.03.2012 (phg)
Das Prager Festival-Orchester spielte am Dienstag (6. März) in der Stadthalle. Unter der Leitung von Peter Chromcak bot es ein vielseitiges Programm. Drei ausgewählte Werke von drei unterschiedlichen Komponisten waren an der abendlichen Tagesordnung. Eigentlich war das Orchester ursprünglich für den Abend gar nicht vorgesehen. Die Opole Philharmonie unter der Leitung von Boguslaw Dawidow hatte dem Marburger Konzertverein jedoch kurzfristig abgesagt. Zu allem Überfluss konnte der eigentliche Dirigent des zweiten Orchesters kurzfristig auch nicht antreten.
Diese Umstände waren nicht gerade ideale Voraussetzungen für ein klassisches Musikvergnügen und hätten manchen anspruchsvollen Musikkenner sicherlich misstrauisch gestimmt. Doch gab es nach den ersten Minuten keinerlei Gründe mehr dazu.
“Die Moldau, von Bedrich Smethana“ aus seiner sinfonischen Dichtung „Mein Vaterland“ eröffnete das Konzert. Vergleichsweise schnell flossen die Bäche zu Beginn des Stücks. An einigen Stellen hatte man den Eindruck, als würden sich die beiden Querflöten verlieren. Auf diese Weise ließ sich die Wildheit der Anfangsströme sehr gut nachvollziehen.
Vergleichsweise behäbig bewegte sich wiederum der Fluss beim Hauptthema. Dieser Umstand gab der Moldau einen würdevollen Anstrich. Der schnelle Beginn und das etwas langsamere Hauptthema waren eine gute und nachvollziehbare Interpretation. Außerdem waren die lauten und leisen Passagen sehr gut voneinander abgegrenzt. Klare und beständige Crescendi und Decrescendi schmückten das Klangbild.
Das alles war ebenfalls in den weiteren Stücken festzustellen. So kraftvoll die Moldau strömte, so zerbrechlich und rührend erschien sie in der Szene mit den Wassernixen im Mondenschein.
Wenn es etwas gab, das bei der Moldau nicht so klappte, dann war es die etwas laute und leicht schräge Piccoloflöte bei den Stromschnellen. Auch hätte dieser Teil, sowie die Abschlussszene etwas schneller hervorsprudeln können.
Bei dem zweiten Stück handelte es sich um die Haydn-Variationen B-Dur von Johannes Brahms. Auch bei diesem Opus 56a leistete das gesamte Orchester gute Arbeit. Allerdings wirkte dieses Stück im Gegensatz zum Ersten doch etwas zu klassisch und zu traditionell. Der Eindruck des letzten Stücks war trotz der zwischenzeitlichen Pause eben noch nicht ganz abgeklungen. Andererseits betonte dieser Umstand auf eine beeindruckende Weise das abwechslungsreiche Programm. So zahm das Hauptthema der Variation präsentiert wurde, so vergleichsweise ungestüm erwies es sich am Ende, als alle Instrumente einsetzten.
Zum Schluss spielte dass Prager Festivalorchester die fünfte Sinfonie In e-Moll von Peter Iljitsch Tschaikowsky. Auch diese vielseitige romantische Aufgabe meisterten die Musiker bravourös. Das geschah auf eine so beeindruckende Weise, dass man in einigen Phasen das Gefühl hatte, ein Teil dieser Sinfonie zu sein. In manchen Situationen konnte mancher Besucher den Impuls nur schwer unterdrücken, seinen Arm um die mitgebrachte Begleiterin zu legen.
Alles in allem überzeugte das Orchester durch einfühlsames und routiniertes Spiel. Die Darbietung war um so beachtlicher, als der Dirigent kurzfristig ausgefallen war.
Pierre Griffon
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