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Karneval in Marburg


Das wär doch en unvorstellbar Ding

18.02.2012 (fjh)
So etwas könnte man sich in Marburg laum vorstellen: In einem Speiserestaurant stehen alle Gäste an vielleicht 40 Tischen auf, fassen sich an den Händen und tanzen um Tische und Stühle herum. Dabei singen alle laut den Text des Lieds mit, das gerade aus der Lautsprecherbox ertönt.
Karneval in Köln ist Lebensfreude pur. In den Kneipen außerhalb der "Touri-Meile" rund um den "Altermarkt" feiern die Jecken ausgelassen und lustig miteinander. Von 5 bis 95 sind alle Altersgruppen gemeinsam dabei, wenn die Texte der "Bläck Fööß", der "Höhner" oder von "Brings" oder die kölschen Couplets von Willi Ostermann angestimmt werden.
Das eine oder andere Kölsch haben die meisten dabei schon intus. Aber richtig besoffen sind nur wenige. Der guten Laune indes tut gerade das gut.
Wenn vor der "Gartenlaube" am Steinweg "Viva Colonia" erklingt, dann merkt man den meisten an, dass sie schon ziemlich voll sind. In Marburg scheint Karneval eher ein Anlass zum Saufen zu sein als zu fröhlichem Feiern.
Wenn die Altbischöfin Margot Käßmann bei der Mitgliederversammlung der Volksbank Mittelhessen am Donnerstag (9. Februar) in der Großsporthalle von der angeblichen "Karnevalisierung der Gesellschaft" sprach, dann zeigt das deutlich, wie wenig Ahnung die gebürtige Marburgerin vom rheinischen Brauchtum hat. Zumindest in Köln ist Karneval nicht nur Lebensfreude pur, sondern auch ein Ausdruck gelebter Solidarität und tiefer Verbundenheit mit der kulturellen Tradition. "Jeder Jeck is anders" oder "Et kütt, wie et kütt" kennzeichnen eine Haltung, die der - aus dem italienischen Südtirol stammende - Bonner Kabarettist Konrad Beikircher einmal als "rheinischen Buddhismus" bezeichnet hat.
Doch diese Einstellung lässt sich nicht einfach irgendwohin transportieren. Im sauertöpfisch-evangelischen Marburg wäre sie einfac#h ein Fremdkörper.
"Mir losse den Dom in Kölle", sangen vor Jahren die Bläck Fööß. "Wat soll der denn woanders? Dat wär doch en unvorstellbar Ding!"
Franz-Josef Hanke
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