14.02.2012 (ms)
"Mit 11.437 registrierten Straftaten gab es im Jahr 2011 insgesamt 20 Taten mehr als im Jahr 2010, in dem die Polizeiliche Kriminalstatistik für den
Landkreis Marburg-Biedenkopf das geringste Straftaten-Aufkommen seit mindestens dem Jahr 2000 auswies", sagte Kriminaloberrat Ralph-Dieter Brede. Die historisch höchste Aufklärungsquote aus dem Jahr 2010 hat die Marburger Polizei zwar nicht mehr erreicht, sie liegt aber immer noch bei sehr guten 60,4 Prozent.
Die Häufigkeitszahl von 4.555 unterschreitet noch sehr deutlich die unter Kriminalisten markante Grenze von 7.000 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Die Häufigkeitszahl bezeichnet das Aufkommen von Straftaten pro Jahr bezogen auf 100.000 Einwohner und ist eine wichtige Messgröße zur Betrachtung und Bewertung der Kriminalität.
"Diese Zahlen unterstreichen die kontinuierliche - dauerhaft positive - Gesamtentwicklung und sind ein Beleg für die Sicherheit im Landkreis", sagte der neue Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf. " Die Polizei unternimmt alles, um diese Sicherheit im Landkreis noch weiter zu verbessern."
Erfreulich bei näherer Betrachtung der Statistik seien die Rückgänge bei den Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in besonderem Maße beeinträchtigen. Die Statistik weist 2011 bei einer leicht gesteigerten Aufklärungsquote von 91,7 Prozent im Vergleich zu: 91.3 Prozent im Jahr 2010 insgesamt weniger Rohheitsdelikte aus.
Dazu gehören unter anderem Raub und Körperverletzungen. Insbesondere sie nahmen deutlich um 13,9 Prozent von 1.355 im Jahr 2010 auf 1.166 im Jahr 2011 ab. Auch die Körperverletzungen auf Straßen, öffentlichen Wegen und Plätzen sind von 232 Taten im Jahr 2010 auf 177 im Jahr 2011 zurückgegangen.
Die sogenannte Gewaltkriminalität fiel insgesamt leicht von 568 auf 530 Delikte. Die Straßenkriminalität ist die Gesamtheit der Straftaten, die in der Öffentlichkeit passieren. Sie stieg von 1.911 auf 2.080 Taten an.
Den Löwenanteil dieses Anstiegs vereinen dabei Diebstahl und die Sachbeschädigung durch Graffitis auf sich. Die Polizei registrierte im Jahr 2011 bei der Sachbeschädigung im Zusammenhang mit Graffiti ein Plus von 145 Taten. Die Zahl stieg von 100 auf 245. "Der Anstieg ist auch dem Umstand geschuldet, dass ermittelte Täter in ihrer Vernehmung Taten zugaben, welche die Geschädigten von sich aus gar nicht angezeigt hatten", erläuterte Brede.
Im Jahr 2011 bearbeitete die Polizei 4.084 Diebstähle .Das sind 200 Taten oder 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr.. 2010 wurden 3.884 Diebstähle gemeldet.
"Entgegen dem landesweiten Trend sank die Zahl der Einbrüche im Landkreis Marburg-Biedenkopf von 201 Taten im Jahr 2010 auf nunmehr 174", stellte Brede heraus. Der generelle Anstieg bei den Diebstahlsdelikten basiert überwiegend auf deutlich mehr Anzeigen wegen Fahrraddiebstahls und wegen des Diebstahls von unbaren Zahlungsmitteln.
Im Jahr 2011 ermittelte die Kriminalpolizei in 15 Fällen wegen Straftaten gegen das Leben. 2010: waren es 13 Straftaten gewesen.
Die Aufklärungsquote bei den drei Morden und acht Totschlagsdelikten betrug 100 Prozent. Zwei der drei fahrlässigen Tötungen ließen sich bislang nicht gänzlich klären. Das führt zu einer Aufklärungsquote bei den Kapitalverbrechen von 86,7 Prozent.
Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen von 136 im Jahr 2010 auf 148 im Jahr 2011 an. Die Aufklärungsquote lag bei 74,3 Prozent. 2010 waren es 83,1 Prozent gewesen.
Den größten Teil dieser Straftaten nehmen der sexuelle Missbrauch, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, der Exhibitionismus und das Verbreiten von pornografischen Schriften ein. 2010 wurden 17 Vergewaltigungen angezeigt. Von den 31 im Jahr 2.011 angezeigten Vergewaltigungen die Kriminalpolizei Marburg 23 aufgeklärt.
"Bei den 31 Vergewaltigungen gab es in fünf Fällen keine vorherige Beziehung zwischen dem Täter und dem Opfer", berichtete Brede. "In zwei weiteren Fällen ist nicht geklärt, ob es eine solche Beziehung gab. Die Polizei ermittelte 25 Tatverdächtige."
Nach dem Anstieg der Rohheitsdelikte im Jahr 2010 gingen die Taten 2011 unter das Niveau von 2009 zurück. Die Aufklärungsquote lag bei 91,7 Prozent. Das ist ein Plus von 0,4 Prozent.
Raub, räuberische Erpressung und räuberische Angriffe auf Kraftfahrer gingen von 106 auf 99 Delikte zurück. Die Polizei klärte 67 Taten und damit 67,7 Prozent auf. Erfreulich sei hierbei die weiterhin hohe Aufklärungsquote von 92,9 Prozent bei den Körperverletzungen.
Vermögens- und Fälschungsdelikte gingen von 2.153 Taten im Jahr 2010 auf 2.067 im Jahr 2011 zurück. Die Aufklärungsquote von 77,3 Prozent im Jahr 2011 lag nur knapp unter den 77,8 Prozent im Jahr 2010.
Die registrierte Rauschgiftkriminalität stieg von 575 im Jahr 2010 auf 596 Delikte im Jahr 2011. Fünf Menschen im Alter zwischen 36 und 47 Jahren starben infolge ihrer langjährigen Abhängigkeit.
Im Jahr 2011 ereigneten sich 81 politische beziehungsweise "extremistische" Straftaten im Landkreis Marburg-Biedenkopf. 34 davon waren nach Angaben der Polizei rechtsmotiviert und 37 linksmotiviert.
Bei den linksmotivierten Taten handelte es sich in 31 Fällen um Sachbeschädigungen. Bei den rechtsmotivierten Taten überwiegen die Verwendungen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Die Polizei Marburg-Biedenkopf ermittelte 2011 insgesamt 4.981 Tatverdächtige. 3.833 davon waren Männer. 2010 waren es 5.236 Tatverdächtige, davon 3998 Männer.
In der
Universitätsstadt Marburg gab es einen Anstieg der Kriminalität um 5,7 Prozent von 5.181 im Jahr 2010 auf 5.475 Delikte im Jahr 2011.. Die Aufklärungsquote betrug 87,4 Prozent.
Die Zunahme begründet sich durch mehr Diebstahlsdelikte und Sachbeschädigungen. Die Körperverletzungen sanken von 532 auf 464 Delikte.
Für das Marktdreieck weist die Statistik mit 44 Taten auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen im Jahr 2011 - verglichen mit 66 Taten im Jahr 2010 - einen nochmaligen Rückgang aus. Von diesen 44 Taten waren 21 Körperverletzungen, 10 Diebstähle und 8 Sachbeschädigungen.
"Die erfolgreichen Maßnahmen von Polizei und Ordnungsamt werden fortgeführt, um die Sicherheit weiterhin zu verbessern", kündigte Brede an.. "Ich spreche den Bürgerinnen und Bürgern meinen ausdrücklichen Dank für das Vertrauen und die Mithilfe aus. Gemeinsam tragen eine aufmerksame Bevölkerung und engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizei zu einer größtmöglichen Sicherheit im Landkreis bei."
pm: Polizei Marburg
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