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Gestörte Idylle


Antje Ravic Strubel bei "Literatur um 11"

05.02.2012 (jnl)
Wenn die letzte Gewinnerin des Marburger Literaturpreises nach Jahren wieder auf Lesereise in Marburg weilt, dann ist man gespannt. Antje Ravic Strubel kam am Sonntag (5. Februar) auf Einladung von Literatur um 11 ins Café Vetter.
Mit ihrem neuen Roman "Sturz der Tage in die Nacht" präsentierte die Potsdamerin wiederum einen Mix aus komplizierter Liebesgeschichte und den langen Schatten der StaSi-Vergangenheit Ostdeutschlands. Auf dem Schauplatz einer kleinen schwedischen Vogelschutzinsel im Hochsommer stoßen eine Ossi-Frau und ein Ex-StaSi-Offizier in einer verstörenden Intrige aufeinander.
Mit einer Auswahl von sechs Szenen aus den Anfangskapiteln des Romans reizte Ravic Strubel geschickt die Neugier mit Cliffhängern. Neben sehr schönen Schilderungen der Vogelwelt und der Lichtverhältnisse auf der Insel verblüfften die seltsam komplizierten und heiklen Windungen der Kontaktaufnahmen zwischen Mann und Frau.
Als Ich-Erzähler fungiert der etwa 25-jährige Ossi-Student Erik, der auf einem Tagesausflug auf die Insel kommt. Wegen der - mit ihm flirtenden - hübschen Ornithologin Inez entschließt er sich, dort zu verweilen.
Er beginnt ein Praktikum und fragt sie hemmungslos aus. Dadurch verliert er beinah ihre Zuneigung.
Auf dem gleichen Schiff mit ihm angekommen ist der ältere Ex-DDR-Offizier Rainer Feldberg. Er versucht, sich mittels Erik an Inez heranzumachen.
Sie jedoch will mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Dabei hat sie ein Kind mit Feldbergs Ex-Kollegen Felix.
Aus der unwissenden Perspektive des Erzählers Erik tappt der Leser gemeinsam mit ihm im Dunkeln. Denn die mysteriösen Hintergründe DDR-deutscher Provenienz kommen nur sehr allmählich zum Vorschein.
Ravic Strubel las entspannt intonierend und mit einer kraftvollen Stimme. Der Literaturvereins-Vorsitzende Ludwig Legge hatte in einer kurzen Begrüßung die beachtliche Liste ihrer literarischen Auszeichnungen angesprochen.
Nach der Lesung kamen aber kaum Fragen aus dem Publikum, obwohl es ausdrücklich dazu ermuntert worden war. Die rund 60 Gäste der Veranstaltung schienen nichtsdestotrotz recht zufrieden zu sein. Die vorhandenen Exemplare des Hardcovers gingen weg wie warme Semmeln.
Jürgen Neitzel
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