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Bär mit Kuschelfaktor


Schauspieler Sascha Oliver Bauer im Gespräch

21.05.2008 (nur)
Sascha Oliver Bauer ist ein Bär von einem Mann: Mit Ganzkörper-Behaarung und Bariton-Stimme kam der Schauspieler am Dienstag (20. Mai) zum Gespräch mit marburgnews. Im Café Barfuß bestellte er sich ein Glas Kamillentee.
Der 28-Jährige gehört seit der Spielzeit 2007/2008 dem Ensemble des Hessischen Landestheaters (HLTH) an. Auf der Bühne lebe er sich total aus, erzählte der gebürtige Heidelberger mit einschlägigem Dialekt. Dennoch sei es manchmal erforderlich, der Rolle eine künstliche Form zu geben.
"Kunst kommt von Künstlichkeit", erklärte Bauer. Dagegen seien die Tränen in seiner neuesten Rolle als Perser-König Xerxes echt. Ein Sascha könne auch privat Gefühle zeigen, gab er zu.
Bauers Privatleben spielt sich hauptsächlich in seiner nordbadischen Heimat ab: Regelmäßig fährt er zu seiner Mutter nach Heidelberg. Die ehemalige Opernsängerin hat ihn allein erzogen und ihm im Alter von neun Jahren das Schauspiel nahe gebracht.
Dennoch sei "Mama" von seinem Entschluss, Schauspieler zu werden, nicht begeistert gewesen, berichtete Bauer. "Nach dem Abitur habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, zum Musical zu gehen", sagte er. Letztendlich bereue er es aber nicht, sich nach einer Ausbildung zum Medien-Grafiker für eine Karriere als Schauspieler entschieden zu haben.
Der Besuch einer Schauspielschule sei ihm jedoch wegen besonderen Talents erspart geblieben. Vielmehr hat der Heidelberger durch Rollen wie Mephisto in "Faust", die Titelrolle in "Hamlet" und "Woyzeck" soviel Theater-Erfahrung gesammelt, dass ihm die Auswahl-Kommission am Theater "Akzent" in Wien das Schauspiel-Diplom verliehen hat.
Die österreichische Theaterkultur habe ihn bereits gereizt, bevor er unter anderem am Burgtheater in Wien gespielt hat. "In Österreich gibt es sogar eigene Altenheime für alte Schauspieler", beklagte Bauer die mangelnde Wertschätzung des Schauspielberufs in Deutschland.
Dennoch brauche er nicht den Applaus des Publikums, versicherte der 28-Jährige. Viel wichtiger sei ihm die Auseinandersetzung mit der Rolle.
"Was macht die Rolle mit mir?" Diese Frage stelle er sich vor jeder Probe. "Je größer die Rolle, desto mehr Respekt habe ich vor der Arbeit", gestand der Schauspieler.
Das gehe so weit, dass er regelmäßig mit Lampenfieber zu kämpfen habe: "Ich kann vor der Premiere nichts essen, sondern nur rauchen."
Nach Engagements an den Theaterhäusern in Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe ist Bauer am HLTH erstmals fest angestellt. "Ich bin hier und darf lernen", sagte er über seine erste Spielzeit in Marburg. Auch das studentische Publikum gefalle ihm gut, "wenn es mal ins Theater kommt".
Der Schauspieler ist seit Samstag (10. Mai) in der Tragödie "Die Perser" zu sehen. Nach dem König Xerxes würde Bauer gerne den Kaiser Caligula in dem gleichnamigen Drama von Albert Camus spielen.
Nora Reim
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