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Jubiläumsfeier


700 Jahre Marburger Stadtrecht

12.10.2011 (ms)
Feierlichkeiten zum 700. Jahrestag der Verleihung ihrer Stadtrechte hat die Universitätsstadt Marburg am Dienstag (12. Oktober) angekündigt. Unter dem Titel "700 Jahre Marburger Stadtrecht" veranstaltet der Magistrat am Montag (17. Oktober) um 18 Uhr im Historischen Saal des Rathauses aus Anlass des Jubiläums einen Festakt.
Am 17. Oktober 1311 ließ Bischof Ludwig von Münster eine Pergamenturkunde ausstellen, die durch sein Siegel
beglaubigt wurde. Als gebürtiger Landgraf von Hessen hatte er wenige Tage zuvor nach Verhandlungen mit seinem Bruder einen Teil der Landgrafschaft mit der Stadt Marburg als Erbteil übernommen.
Als Stadt - lateinisch "Civitas" - wurde Marburg bereits im Jahr 1222 erwähnt. Die Begünstigten des Rechtsakts von 1311 waren die "lieben und getreuen Bürger von Marburg". Die eigentliche Rechtsverleihung besteht aus vier Abschnitten.
Im ersten - zugleich auch dem längsten - ist die Pflicht der Bürger von Marburg und der Bewohner von Weidenhausen, Pilgrimstein, Neustadt und was in der Pfarrei zu Marburg gehört, genannt, dem Bischof zu Münster jährlich insgesamt dreihundert Mark Kölnischer Pfennige zu geben. Die Geldsumme - so verspricht Ludwig - werde er nicht erhöhen, solange er lebe.
Im zweiten Abschnitt legt Ludwig fest, dass die Schöffen sechs Bürger aus der Gemeinheit - also der nichtpatrizischen Stadtbevölkerung -
auswählen, zusätzlich vier von Weidenhausen und zwei aus der Neustadt, die für ein Jahr zu Ratsmännern werden. Diese zwölf Gewählten sollen mit den Schöffen über Arm und Reich Gesetze erlassen und urteilen.
Erstmals werden Personen aus der Gemeinde - aus dem vom Stadtregiment bislang ausgeschlossenen Teil der Bürgerschaft - an der Stadtregierung beteiligt. Doch sie werden von den Schöffen ausgewählt, sodass die traditionelle Führungsschicht unliebsame Personen von der städtischen Selbstverwaltung fernhalten kann.
Drittens soll, wer "Gewand macht", was heißt, wer Tuche webt, es nicht schneiden. Diese Bestimmung wird so interpretiert, dass hier das Verhältnis von Wollwebern zu Tuchhändlern geregelt wird: Nur
Kaufleute dürfen das Tuch zu kleinen Portionen schneiden und an den Endverbraucher absetzen.
Viertens will der Landgraf, dass die Bürger ihr Kaufhaus und ihre Bruderschaft in der Stadt zu Marburg behalten. Sie sollen also weiterhin Handel betreiben.
Die Vereinigung unterschiedlicher Rechtsbereiche wie Steuergesetzgebung, kommunale Selbstverwaltung, Innungsangelegenheiten und Ordnungsrecht in einem Text sind für mittelalterliche Stadtrechte geradezu typisch. "Stadtrecht" heißt nicht, dass alle Bereiche des öffentlichen und bürgerlichen Rechts, die für die Stadt von Interesse sind, in dieser einen Urkunde geregelt wurden. In der Regel wurde nur das schriftlich fixiert, was strittig oder Ergebnis von Verhandlungen war.
Stadtrechtsprivilegien haben oft einen fragmentarischen Charakter. Das gilt auch für die Urkunde von 1311.
Mit dem Tode Bischof Ludwigs im Jahre 1357 endete die Sonderstellung Marburgs innerhalb der Landgrafschaft. Sein Erbe Landgraf Hermann II. erließ ein neues Stadtrecht. Die Entwicklung der Stadtverfassung von Marburg nahm ihren Fortgang.
pm: Stadt Marburg
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