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Gruftis neuer Zuspruch


Jubiläumsfeier mit Pophelden der Vergangenheit

09.10.2011 (jnl)
Den Bildungsträgern droht in Zeiten der Einsparpolitik der Abbau von Arbeitsplätzen. Was lag für den Verein "Arbeit & Bildung" daher näher, als zu seinem 25-jährigen Bestehen in die ungleich schönere Poprocker-Vergangenheit zu schauen?
In der Stadthalle feierte der Marburger Bildungsträger am Samstag (8. Oktober) sich selbst in einem Konzert mit "Extrabreit" und den "Rodgau Monotones". Bevor es mit den kreisweit plakatierten Grufty-Rockern losging, veranstaltete man noch einen Nachwuchsband-Wettbewerb. Das war man sich angesichts der eigenen - rein regionalen - Verankerung offenbar schuldig.
Ob es wirklich eine gute Idee war, lokale Amateurbands ab 17 Uhr vor einer nahezu leeren Halle auftreten zu lassen, sei dahingestellt. Denn die beiden "Publikümer" für das teure Retro-Konzert und für die Nachwuchs-Rockbands lagen nicht nur altersmäßig denkbar weit auseinander.
Erstaunlich im Hinblick auf den gewerkschaftsnahen Hintergrund des Sozialarbeits-Unternehmens war die massive Präsenz von breitrückigen "Security"-Söldnern. Bei den - für die aufgeboteten Uralt-Rocker - hohen Eintrittspreisen konnte man sich das offensichtlich leisten. Auch ein Sozial-Kontingent von Freikarten für Kulturlogen-Kunden war dabei noch drin.
Beide "Topacts" des Abends hatten ihre Glanzzeiten Mitte der 80er Jahre. Während die "Monotones" als Gute-Laune-Deutschrocker ein Aushängeschild der Hessen-Rockszene waren, hatten die - aus dem westfälischen Hagen nach Berlin gewechselten - "Extrabreit" sogar ein paar Charts-Erfolge.
Neugierig durfte man sein, ob die bekannten Namen viel zahlendes Publikum anziehen würden. Auch war es fraglich, ob das "Wiedersehen mit längst Verflossenen" qualitativ wirklich erfreulich ausfallen würde.
Tatsächlich ergab sich ein überraschend durchwachsenes Bild. Junge Gesichter sah man aber kaum.
Der Altersdurchschnitt auf der Bühne wie im Publikum lag deutlich über 50 Jahre. Überwiegend waren die Fans von damals gekommen.
Die "Extrabreiten" eröffneten den Abend mit einem Potpourri aus ihren alten Hits. "Hurra, hurra, die Schule brennt" aus dem Jahr 1981 klang allerdings textlich eher albern aus den Kehlen von vier finster blickenden Grauschöpfen.
Auch ihr Cover-Hit "Flieger, grüß mir die Sonne", mit dem sie 1980 ihren größten Single-Erfolg hatten, klang alles andere als frisch. Sänger Kai "Havaii" Schlasse in lässigem schwarzen Outfit mit Schlips wirkte wie ein alternder Vampir-Darsteller mit "Der letzte Tango"-Anklängen, nur dass selbst Klaus Kinski als "Nosferatu" charmanter und leidenschaftlicher aussah.
Soundmäßig verließen sich die Altrocker auf bewährten Gitarren-Hardrock, der eher zum Bombast neigte, als irgendwelchen - früher einmal vorhandenen - Charme zu versprühen. Diese spürbare Düster-Stimmung in der Band an diesem Abend übertrug sich allerdings nur teilweise auf das Publikum.
Die Fans schwelgten in längst vergangenen Zeiten. Der Auftritt war nach rund 80 Minuten samt Zugaben glücklich vorbei.
Mit dem Bühnenaufschlag der "Rodgau Monotones" wuchs das Publikum im unbestuhlten großen Stadthallensaal beinah schlagartig von 300 Zuschauern auf das Dreifache. Bei dieser Band lag mithin eindeutig die Vorliebe der Marburger.
Mit ihren wohlbekannten Gute-Laune-Texten und unkomplizierten Hardrock-Arrangements trafen die Hessen-Humorrocker mitten ins Schwarze. Zumindest sah man vor der Bühne Hunderte begeistert mitsingen und ins Tanzen kommen.
Ihre bekannten Hits wie "Ei Gude wie!", "St. Tropez am Baggersee" und "Die Hesse komme!" riefen nach wie vor Begeisterungsstürme hervor. Die Ausstrahlung der Südhessen war in allem das Gegenteil ihrer Bühnen-Vorgänger.
Ein wenig ärgerlich war das Licht-Konzept der Veranstaltung. Statt eine abwechslungsreiche Konzert-Beleuchtung zu bieten, hatte man zwei grelle Halogen-Leisten vor die Bühne gebaut. Mit ihnen wurden häufig die Zuschauer heftigst geblendet und unnötig angenervt.
Insgesamt ging das Jubelfest-Konzept des Bildungsträgers dank des durchschlagenden Erfolgs der "Rodgaus" doch noch auf. So ein Fest zur rechten Zeit gibt Kraft, die in der Branche anstehenden schweren Zeiten besser zu bestehen.
Jürgen Neitzel
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