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Philologe philosophierte


Arbogast Schmitts Abschiedsvorlesung in der Alten Aula

15.07.2011 (jnl)
Der - eigentlich schon seit 2008 emeritierte - Altphilologe Prof. Arbogast Schmitt hatte am Donnerstag (14. Juli) noch einmal einen ganz großen Auftritt. Bei seiner Abschiedsvorlesung war die Alte Aula voll wie nie. Selbst rundum an den Wänden standen die Leute.
Eingangs hielt eine seiner akademischen Schülerinnen eine sehr schmeichelhafte Laudatio. Danach trat der Meister selbst ans Mikrofon.
Zunächst verbrachte er nahezu zehn Minuten mit Begrüßungen all der überaus wichtigen Persönlichkeiten, die eigens herbeigeeilt waren, um Schmitt zu würdigen. Eine stolze Reihe von nicht weniger als fünf ehemaligen Marburger Universitätspräsidenten - von Walter Kröll bis Volker Nienhaus - weilte unter den Anwesenden. Dem unbefangenen Betrachter wurde darüber ganz mulmig. Wie viel Protektion und Fördermittel verdankte Schmitt diesen in ihrer Amtszeit durchaus mächtigen Männern? Wurde das Orchideenfach Altphilologie zu Lasten anderer Fächer unverhältnismäßig hochgepäppelt?
In der sehr gemächlich voranschreitenden Rede Schmitts wurde zumindest deutlich, dass er mehrfach von anderen Universitäten abgeworben werden sollte. Offenbar mit Geldmitteln und anderen Zusagen wurde er jedoch immer wieder in Marburg "gehalten".
Eigentlich lautete das Thema der Abschiedsvorlesung "Warum gelingt oder scheitert menschliches Handeln? Antike Dichter und Philosophen über das Glück - und warum man es verspielt". Doch leider hatte Schmitt so endlos viel nebenher mitzuteilen, dass sich die Veranstaltung mächtig in die Länge zog.
Dass Aristoteles ein bejammernswert Verkannter unter den antiken Philosophen war, gehörte einmal mehr zu den Topoi, auf die Schmitt auf keinen Fall verzichten mochte. Auch müsse man die Geschichte sehr gut kennen, um sie nicht erneut durchmachen zu müssen, gehörte zu den Lebensweisheiten am Rande von Schmitts geschichtsphilosophischen Ergüssen.
Und selbstredend war er wieder einmal der Auffassung, dass Philosophie zeitlos alles überdauert. Gar mancher hatte irgendwann die Faxen gründlich dicke und verließ diese Stätte des vehement betriebenen Eigenlobs. Nicht einmal die Aussicht auf das kalte Büffet konnte über die intellektuelle Verzweiflung an einem - dem Schwafeln hingegebenen - alt gewordenen Gelehrten hinwegtrösten.
Jürgen Neitzel
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