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Pralle Unterhaltung


ZAC-Frühlingsvarieté mit frischen Akzenten

06.05.2011 (jnl)
Einige Überraschungen hielt die Premiere des ZAC-Frühlingsvarietés bereit. Am Donnerstag (5. Mai) öffnete das Event für insgesamt neun Vorstellungen bis einschließlich Sonntag (15. Mai) seine Pforten im Kulturzentrum Waggonhalle.
Bis auf den formidablen Diabolo-Jongleur Phil Os waren die auftretenden Künstler bislang noch nie in Marburg zu sehen. Die Moderation übernahm diesmal der vom Quatsch-Comedy-Club aus dem Fernsehen bekannte Hans-Hermann Thielke.
Die angekündigte besondere Überraschung war tatsächlich eine. Eine lebhafte vierköpfige Live-Jazzband begleitet neuerdings das Programm.
Bandleader ist der langjährige Mastermind des Marburger Varietés Horst Lohr - besser bekannt als "Zauberkünstler Juno"- an der Trompete. Drei sehr junge Musiker aus der Talentschmiede der Jazz-Initiative Marburg (JIM) unterstützen ihn an Flügel, an Kontrabass und Drums.
Thielke erwies sich als ein Komiker in der Nachfolge des legendären Heinz Erhardt. Als Mittfünfziger in jammervollem Retro-Look versicherte er den Zuschauern mit treuherzigem Augenaufschlag, er sei frisch von der Arbeitsagentur auf die Bühne vermittelt worden.
Schrecken diese Bürokraten denn vor gar nichts zurück? Erst auf den zweiten Blick wird jedem klar, dass "Thielke" eine Conferencier-Kunstfigur ist, die mit gespielter treudoofer Biederkeit auf das Gelächter der Zuschauer spitzt.
Die Solo-Artistin Petra Lange aus Thüringen war mit zwei ganz unterschiedlichen "Nummern" im Programm. Als Schreibgehemmte begab sie sich in ein urkomisches Duell mit ihrer Schreibmaschine.
Statt einfach den erwünschten Text zu tippen, produzierte sie die abenteuerlichsten Hand- und Kopfstände, um der ungeliebten Aufgabe auszuweichen. Manche Studierenden oder Liebesbrief-Schreiber werden sich da wiedererkannt haben.
Die gleiche verspielte Ideenfülle, Gelenkigkeit und Kraftleistung kam in Langes zweitem Auftritt noch eindrucksvoller zum Ausdruck. Am Vertikalseil zeigte die 1,60 Meter große Artistin sich als spektakuläre Könnerin und Augenweide. Zu der sinnlichen Tangomusik "Soledad" von Astor Piazzola kletterte und knotete, schwang und schwebte die kraftvolle, zierliche Dame durch den Bühnenhimmel, das es eine Lust war. Wer täte es ihr nicht gerne nach?
Ein weiterer Höhepunkt der Show war der Fahrrad-Akrobat Serge Huercio aus Frankreich. Auf seinem Spezial-Velo mit frei drehbarer Lenkerachse turnte er bei voller Fahrt in den unglaublichsten Stellungen.
Manche Eltern im Publikum mögen sich da gefragt haben, was wäre, wenn der eigene Sohn ähnlich halsbrecherische Ambitionen entwickelte? Huercio indes überzeugte nicht nur als Akrobat, sondern auch körpersprachlich durch subtile Komik und gewinnenden Charme.
Der Schwerpunkt der Show lag mit gleich drei Auftritten diesmal bei der Zauberkunst. Mit dem Duo Timothy Trust & Diamond waren die amtierenden Deutschen Meister der Zauberkunst - und Vize-Weltmeister in der Kategorie "Mental Magic" von 2006 bis 2009 - zu bestaunen.
Die erste Nummer handelte von vorgeblicher "Gedankenübertragung". Trotz verbundener Augen gelang es der hübschen Assistentin "Diamond", sämtliche Gegenstände in den Händen von beliebigen Zuschauern, auf die ihr Partner zeigte, präzise zu benennen.
Die Säbel-Nummer, bei der die Assistentin im Pappkarton scheinbar blutig geschlitzt wird, war nichts für zarte Gemüter - ging aber natürlich gut aus. Die Bauchredner-Nummer mit der Laubfrosch-Handpuppe war eine hochkomische, schöne "Frechdachs"-Geschichte.
Vom - immer wieder mit langatmigen Zwischenspielen auftretenden - Thielke hätte man sich gewünscht, dass er sich mehr zurücknähme. Kürzer wäre besser gewesen.
Gar nicht lang genug hingegen konnte der abwechslungsreiche Auftritt des Diabolo-Jongleurs Phil Os sein, so faszinierend vermochte er seine Geschicklichkeit zu präsentieren. Der Kasseler wirbelte zu passender Hardrockmusik über die Bühne, dass dem Publikum schier die Augen übergingen.
Das war ein krönender Abschluss einer prallen, lustvollen Unterhaltungs-Show, wie man sie sonst nur in einer Großstadt fände. Die aus dem gesamten Landkreis herbeigeströmten rund 200 Gäste gingen mit glänzenden Augen und großem Applaus für die tolle Zusammenstellung heim.
Jürgen Neitzel
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