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Warten auf Einstieg


Eröffnung der Ausstellung von Young-La Park im TTZ

15.04.2011 (jnl)
"Das Herrlichste ist die Zeit, die ich an meinen Bildern arbeiten kann", sagt Young-La Park zu ihrer Kunst. Bei der Eröffnung ihrer Einzelausstellung am Mittwoch (13. April) im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) kamen rund 40 Besucher.
Zunächst durfte man gut eine halbe Stunde auf den Eröffnungsvortrag warten. Das gehörte offenbar aber zum Konzept.
Denn die Exponate waren über drei Räume in zwei Stockwerken verteilt. Daher brauchte es schon Zeit, um sich das präsentierte Ouevre zu erwandern.
Im Wintergarten fanden sich vier Pieces. Drei kleinformatige Tusche-auf-Papier-Arbeiten aus dem Jahr 2008 setzten Eckwerte. Eine Acryl-Malerei "Blue Talk" in Format von einem Quadratmeter gab dazu einen farbigeren Kontrapunkt.
Die fünf großformatigen Malereien in der Eingangshalle - dreimal Kohlestift auf Papier und zweimal Acryl auf Leinwand - imponierten durch kühne graphische Konzeptionen. Es fallen einem - zumindest aus dem europäischen kunstgeschichtlichen Zusammenhang - auf Anhieb kaum vergleichbare Explorationen ein.
Im Obergeschoss hingen elf Werke unterschiedlicher Stilistik und Formate, im Treppenhaus parterre ein weiteres. Einige davon bestanden aus gruppierten kleineren Einzelwerken, die eine Grundidee in verschiedener Weise variierten.
Völlig erstaunlich ist, was die 43-jährige Koreanerin ohne jede Art von Farborgie mit den Mitteln von Acryl und Tusche oder Acryl und Buntstift zu erschaffen vermag. Young-La Park bedient sich minimalistischer Mittel, um den Blick des Betrachters zu fesseln. Vollkommen frei von "Horror Vacui" füllen ihre Kompositionen aus graphischen Linien jeweils nur einen kleinen Teil der Flächen.
In abstrakter Manier richten die Kompositionen sich nie auf eine Abbildung von Dingen der Außenwelt, sondern genügen sich selbst. Die souveräne Beschränkung auf wenige, organisch schlängelnde schwarze Linien auf unterschiedlich getöntem hellen Untergrund gibt den Bildern viel innere Ruhe und Luftigkeit.
Die Rede des Marburger Kunsthistorikers Tim Gersbach zur Vernissage betonte die basalen Grundlagen einer gänzlich ungegenständlichen Kunstintention. Obwohl er die Künstlerin aus dem gemeinsamen Studium an der Philipps-Universität und aus persönlicher Freundschaft gut kennt, brachte er keine kunstgeschichtlichen Bezüge und Einordnungen vor.
Das war schade. Denn möglicherweise vorhandene asiatische Traditionslinien, die zu den Werken der Südkoreanerin wertvolle Hinweise beisteuern könnten, sind europäischen Kunstfreunden in der Regel nicht geläufig.
Immerhin entnahm man dem Vortrag den irritierenden, weiterführenden Hinweis, dass die - sparsam eingesetzte - Farbigkeit von Flächen hier als "raumfüllende Substanz" zu verstehen sei. Farbauftrag als "Substanz" - also geradezu metaphysisch statt sinnlich - da muss man erst einmal drauf kommen!
Die weitgehende Schwerelosigkeit der "Spezifischen Objekte" von Young-La Park hat den bemerkenswerten Nebeneffekt, dass sie den Betrachter "entstresst". Die mentale Schwerkraft der Alltagswelt prallt ab von diesen Figurationen der heiter hellen Reisen in die Intuition.
Die zuletzt 2010 in einer Gruppenausstellung des Marburger Kunstvereins zu sehende Künstlerin hat mit ihren originellen Werken eine solche Solopräsentation ganz sicher verdient. Die nur etwa 1,60 Meter große Koreanerin - unfallbedingt derzeit auf Krücken angewiesen - machte persönlich einen sympathischen, stark verinnerlichten Eindruck.
Die nicht optimale Ausleuchtung der Werke wurde von anwesenden Persönlichkeiten der regionalen Kunstszene kritisch diskutiert. Die liebevolle Betreuung der Vernissage-Gäste des TTZ mit einem kleinen Büffet und Prosecco machte dagegen einiges wett.
Jürgen Neitzel
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