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Opulente Fabel


Agora-Theater eröffnete Kindertheater-Festival

27.03.2011 (jnl)
Zum Auftakt der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche "KUSS" gab es im Hessischen Landestheater Marburg gleich ein tolles "Glanzlicht". Das wegen seiner schwelgerisch poetischen Aufführungen bekannte Agora-Theater St. Vith zeigte in einer eigens aufgebauten Rundbau-Manege am Samstag (26. März) "Der König ohne Reich".
Das für Menschen ab sieben Jahre ausgewiesene Stück entführte die Besucher in ein kindliches Traumreich. Ein kleiner König ohne Land, dem allein die Krone geblieben ist, macht sich auf, eine phantasie-erfüllte Welt zu erkunden. Er ist auf der Suche nach "seinem" Lied.
Wie Pinocchio begegnet er dabei listigen, sprechenden Katzen, bedrohlichen Hundemeuten, singenden Zwergen im Einbaum-Kanu und tanzenden Rehen. Die zu Beginn als Musiker auftretenden sieben Schauspieler verwandeln sich von Szene zu Szene in immer neue Gestalten.
Die Rolle des titelgebenden "Königs" wird zwischen den Darstellern in rascher Folge getauscht, indem die Krone den Besitzer wechselt. Das war gerade so, wie das Geburtstag feiern im Jahreslauf stetig einem anderen Kind zufällt, das dann für einen Tag die Hauptrolle spielt.
Das Grundschulkind im Publikum lernt so vielleicht ganz nebenbei, dass Anführer sein beim Spielen am Besten wechselt. Nur dann darf jedes Kind mal im Mittelpunkt stehen und alle haben Spaß. Allerdings fragt es sich, ob das in Kinder-"Banden" wirklich so funktioniert.
Im Stück "König ohne Reich" haben am Ende alle eine eigene Krone auf. Dennoch erleben sie die tollsten Sachen.
Eine Glitzerfolie verwandelt das Bühnenrund in ein Unterwasserterrain. Grenzer verlangen vom König, dass er oder sie sich ausweisen soll. Ein großes Tuch wird zur Schaukel.
Besonders eindrucksvoll war das Spiel mit hölzernen Scherengittern, die sich auf anderthalb Meter ausfahren ließen. Dahinter konnte man sich im zusammengefalteten Zustand genausogut verstecken wie hindurchlinsen. Man konnte auch jemand damit gefangennehmen.
Auch musikalisch war diese Produktion ein Leckerbissen. Von Kontrabass, Cello, Gitarre bis zu Perkussion, Flöte, Trompete und vielstimmigem Harmoniegesang hatten die sieben Mitwirkenden alles Erdenkliche drauf. Sascha Bauer steuerte gar noch ostasiatisch inspirierten Oberton- und Kehlkopfgesang bei.
Aus gleich sechs zur Eröffnung des Festivals gehaltenen, jeweils vierminütigen Begrüßungs-Ansprachen lernte man unter anderem, dass das Stück dem - jüngst verstorbenen - "Agoraner"-Gründervater Marcel Cremer als Hommage gewidmet ist. Den größeren Teil der Produktion hatte er noch selbst konzipiert.
Es ist gut vorstellbar, dass diese opulente szenische Collage über das Entdecken der Welt vermittels Phantasie und List viele Punkte für den Festival-Preis hätte einheimsen können. Allerdings läuft diese Produktion angesichts früherer Preise außer Konkurrenz. Da die vom Freundeskreis des Hessischen Landestheaters gestiftete Auszeichnung auch durch Jurorinnen im Zielgruppenalter bewertet wird, wird bis Samstag (2. April) die Spannung wachsen, welche der insgesamt 20 um den Preis konkurrierenden Produktionen das Rennen machen wird.
Jürgen Neitzel
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