14.03.2011 (fjh)
Der Marburger Pharmakologe Prof. Dr. Jens Kockskämper ist an einem neuen Forschungsvorhaben der Europäischen Kommission beteiligt, das zu einer verbesserten Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern führen soll. Seine Arbeitsgruppe an der
Philipps-Universität erhält im Rahmen des Projekts unter dem Titel "The European Network for Translational Research in Atrial Fibrillation“ (EUTRAF) mehr als 300.000 Euro an Fördermitteln.
Das großangelegte, multidisziplinäre Forschungsnetzwerk "EUTRAF“ verfolgt das erklärte Ziel, Krankheitsmechanismen zu erforschen.So will es bessere diagnostische Hilfsmittel und neue Therapien für Patienten mit Vorhofflimmern entwickeln.
Vorhofflimmern tritt bei einem bis zwei Prozent der Bevölkerung auf. Somit ist es die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Die wichtigste Komplikation dabei sind Schlaganfälle, die bei Patienten mit Vorhofflimmern fünfmal häufiger auftreten als sonst und oftmals zu Behinderungen führen, die eine langfristige klinische Versorgung erfordern.
Über sechs Millionen Europäer leiden an Vorhofflimmern. Dabei wird die Häufigkeit in den kommenden 50 Jahren nach Schätzungen von Experten um das Zweifache ansteigen. Daher besteht ein dringender Bedarf an einer verbesserten Vorbeugung, einer effektiveren Behandlung sowie an einer besseren Prävention der Komplikationen.
"EUTRAF“ zielt auf eine frühzeitige Identifizierung von Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern tragen. Zudem richtet sich seine Forschung auf ein besseres Verständnis der Faktoren, die zu anhaltendem Vorhofflimmern führen.
Eine weitere Strategie besteht darin, genaue diagnostische Instrumente zu entwickeln, mit denen Krankheitsmechanismen beim einzelnen Patienten identifiziert werden können. Darauf aufbauend soll eine spezifische Therapie für jeden Patienten ermöglicht werden, die auf dessen individuellen Krankheitsmechanismen basiert.
Kockskämpers Arbeitsgruppe am Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie beschäftigt sich mit den molekularen Grundlagen von Herzrhythmusstörungen. Sie erforscht insbesondere den Einfluss von Kalzium und herzwirksamen Peptiden auf die normale und gestörte Funktion des Herzmuskels. Im Rahmen von "EUTRAF" soll geklärt werden, welche Rolle einem veränderten Kalzium-Haushalt für die Entstehung und Aufrechterhaltung des Vorhofflimmerns zukommt.
pm: Philipps-Universität Marburg
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