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Al-Wazir für Energiewende


Atom-Strom ist das Problem, nicht die Lösung

14.01.2008 (sts)
"Ein kommender hessischer Minister“, stellte Grünen-Landkreis-Kandidatin Elke Siebler den Spitzenkandidaten ihrer Partei für die Landtagswahlen vor. Tarek Al-Wazir sprach am Sonntag (13. Januar) im Cineplex auch mehr schon als Umweltminister in spe und weniger als wahlkämpfender Phrasendrescher. Betont sachlich und inhaltlich detailliert, erläuterte der 37-jährige Politologe vor etwa 80 Anwesenden, wie er sich die Energiewende in Hessen wünschen würde.
"In Energiefragen ist die amtierende hessische Landesregierung die rückständigste in ganz Deutschland“, erklärte der gebürtige Offenbacher gleich zu Beginn. Hessen sei das einzige Bundesland, in dem der Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid steige. Der Anteil alternativer Energien an der Gesamtproduktion betrage zudem lediglich fünf Prozent. In Sachsen-Anhalt seien es 38 Prozent, bundesweit im Schnitt immerhin 15 Prozent.
Eine klare Absage erteilte der Landtagsabgeordnete Vorstellungen, dem Klimawandel durch den Bau neuer Atomkraftwerke entgegenzuwirken: "Das ist absolut irre. Atomstrom ist nicht die Antwort, Atomstrom ist das Problem!“
Es sei ein Ammenmärchen, dass Atomstrom billig sei. Im Gegenteil sei er sogar unglaublich teuer. Nur dadurch, dass die Risiken der Atomenergie und die Frage der Endlagerung von den Kostenrechnungen externalisiert würden, werde der Eindruck kostengünstiger und umweltfreundlicher Energiegewinnung erweckt.
Der Landesregierung warf der Grünen-Politiker vor, eine "Kumpanei“ mit den Kohle- und Atomkraftwerks-Betreibern eingegangen zu sein.
Im Jahr 2007 seien zeitweise nur 6 von 17 Atomkraftwerken in Deutschland am Netz gewesen, dennoch sei "nirgendwo das Licht ausgegangen“ und die Bundesrepublik auch weiterhin Strom-Exporteur geblieben.
Wichtigster Schritt, um bis 2028 eine 100-prozentige Abdeckung des Energiebedarfs über regenerative Energien zu gewährleisten, sei vor allem eine höhere Energie-Effizienz, die durch Einsparungen zu erreichen sei. Bis 2028 könnte der Brutto-Stromverbrauch jährlich um ein Prozent sinken.
Die weiteren Standbeine der Energiewende seien Biogas und Fotovoltaik. "Die Entwicklungen in diesen Bereichen sind immens“, erläuterte Al-Wazir.
Statt Unsummen in den Bau neuer Kernkraftwerke zu investieren, schlug er vor, das Geld besser in die Wärmedämmung von Gebäuden zu stecken: "Styropor- oder Schaumstoffplatten sind zwar nicht so medienwirksam zu präsentieren, in ihrer Summe aber wesentlich effizienter als ein neues AKW.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Film "Biblis - angeklagt“ von Henrik Paulitz gezeigt. Darin wird das Gefahrenpotential der Reaktoren Biblis A und B dargestellt und Versuche von Seiten der internationalen Vereinigung von Ärzten für die Verhütung von Atomkriegen (IPPNW) vorgestellt, eine Abschaltung des AKW zu erreichen. Der Film ist im Internet unter www.ippnw.de/biblis kostenfrei anzusehen.
Stephan Sonntag
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