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Kundus bleibt deutsch


Rose referierte über Afghanistan-Krieg

12.02.2011 (fjh)
"Kundus bleibt deutsch!" Mit dieser satirischen Überspitzung verdeutlichte Jürgen Rose am Freitag (11. Februar) in der Volkshochschule seine Kritik an Afghanistan-Krieg. Unter dem Titel "Heldentod am Hindukusch - die Bundeswehr im Afghanistan-Krieg" sprach der ehemalige Oberstleutnant beim Politischen Salon des Vereins Arbeit und Leben.
Rose hatte Befehle verweigert, die von ihm eine Unterstützung der Kriegsführung verlangt hatten. Mit Verweis auf den Artikel 80a des Grundgesetzes, der der Bundeswehr ausschließlich den Einsatz zur Landesverteidigung gestattet, erklärte er deren Einsatz in Afghanistan für verfassungswidrig.
Anhand zahlreicher Zitate aus Dokumenten meist unverdächtiger, "bürgerlicher" Autoren belegte der einstige Offizier seine These, dass es beim Krieg in Afghanistan um geostrategische und wirtschaftspolitische Interessen gehe, die mit der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland allerdings nichts zu tun hätten.
Ihre Kriegsbeteiligung sei laut dem Militärexperten Lothar Rühl der Tribut an die Nordatlantische Vertragsorganisation (NATO), den Deutschland zum Ausgleich für die Sicherung der Seewege als lebensnotwendige Handelsrouten bezahlen müsse. Zudem belege die Bundesregierung damit ihre Bündnistreue und die Zuverlässigkeit ihrer Armee.
Die Kriegsgründe in Form terroristischer Attentate würden vielfach von Geheimdiensten geschaffen, die ein Interesse an dem Krieg hätten, behauptete Rose. Das habe ihm selbst der ehemalige stellvertretende Chef des pakistanischen Geheimdienstes ISI detailliert dargelegt.
Als "Falsche Flagge" kennzeichnet man derartige Aktionen, die die jeweilige Tat Anderen in die Schuhe schieben. Das gelte für einen ansehnlichen Teil der Attentate, die angeblich von den Taliban ausgeführt worden sein sollen.
Gleich zu Beginn seines Vortrags zeigte der Münchener Militärexperte Fotos von Kriegsopfern, die die deutsche Presse der Bevölkerung meist vorenthalte. Verletzte Kinder oder junge Männer ohne Beine könnten die Menschen möglicherweise zu der Einsicht bewegen, dass dieser Krieg nicht zu vertreten ist.
Ohnehin spreche sich die Bevölkerung mit sehr deutlicher Mehrheit gegen den Krieg in Afghanistan aus, wohingegen der Deutsche Bundestag mit fast gleich großer Mehrheit mehrfach dafür votiert hatte. Hier machte Rose ein "Demokratie-Defizit" aus, das nur durch Volksentscheide über jeden Militäreinsatz beseitigt werden könne.
Neben Öl und Rohstoffen sieht Rose als weiteren Kriegsgrund auch den lukrativen Opiumhandel. Das CIA sei nach Indizien wahrscheinlich daran beteiligt. Das Rauschgift finde von Afghanistan aus seinen Weg zu Konsumenten in der ganzen Welt.
Zudem seien die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und andere Krieg führende Regierungen an Ölleitungen und Transportwegen interessiert. Zu guter Letzt bestehe auch ein Interesse daran, möglichst viele eigene Soldaten in dieser geostrategisch wichtigen Region stationiert zu halten.
Verdeutlichen konnte Rose das am sogenannten "Sandwich-Effekt": Indien und Pakistan streiten sich seit Jahrzehnten erbittert um die Provinz Kaschmir. Um seine Position in diesem Grenzkonflikt zu stärken, habe Indien durch Entwicklungshilfe und andere Projekte Einfluss und Brückenköpfe in Afghanistan aufgebaut, um Pakistan so von zwei Seiten aus in die Zange zu nehmen.
Da beide verfeindete Länder über Atomwaffen verfügen, handele es sich hier um eine weltpolitisch überaus heikle Region. Die militärische Präsenz in Afghanistan sei folglich von herausragender Bedeutung.
Gewinnen könne den Krieg dort freilich niemand. Alexander der Große habe seinerzeit das einzig Richtige gemacht, als er lange vor Beginn der christlichen Zeitrechnung mit seiner Armee einmal quer durch das Land am Hindukusch hindurch marschiert sei.
Selbst der Einsatz sogenannter "Drohnen" werde den USA nicht zum Sieg verhelfen. Ohnehin sei er völkerrechtlich sehr kritisch zu bewerten, weil diese unbemannten Flugobjekte meist zur gezielten Tötung einzelner Menschen eingesetzt würden.
Selbst im Krieg verbietet das Humanitäre Völkerrecht die gezielte Tötung eines Menschen ohne Gerichtsverfahren. Das gelte selbst für Kombattanten wie Militärs oder Politiker.
Schwierig sei zudem die Frage, wer in einem Guerilla-Krieg wie in Afghanistan überhaupt als Kombattant zu gelten hat. Zivilisten müssen nach dem Völkerrecht nämlich aus den Kriegshandlungen herausgehalten werden. In Afghanistan seien aber gerade sie oft Zielscheibe militärischer Operationen. Zwar könne die Rüstungsindustrie in Afghanistan wirtschaftlich sehr erfolgreich "Kasse machen", doch militärisch sei der Krieg dort nicht zu gewinnen.
Das sollten die USA spätestens seit Vietnam wissen, meinte Rose. "Der letzte größere Guerilla-Krieg, den die USA gewonnen haben, war der gegen die Indianer."
Franz-Josef Hanke
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