22.12.2010 (fjh)
Charlotte K. hat es geschafft: Sie war im Juli mit einer Gruppe von jungen Arbeitssuchenden aus Marburg für ein zweimonatiges Auslandspraktikum in die Französischen Alpen aufgebrochen. Dort absolvierte die arbeitsuchende Musikwissenschaftlerin ein Praktikum an der Universitätsbibliothek von Grenoble.
Während ihres Aufenthalts erfuhr sie, dass nahe Grenoble händeringend Deutschlehrer gesucht werden. Also bewarb sie sich. Ihr Vorstoß hatte Erfolg.
Das Auslandspraktikum hat ihr zu einem neuen Job verholfen. Gerade erwerbslosen jungen Menschen bleibt dieser Weg aber oft versperrt, denn er kostet Geld. Zudem erfordert er Mut, Gewohntes hinter sich zu lassen.
Darum bietet der Marburger Verein Arbeit und Bildung zusammen mit der Praxis GmbH Arbeitsuchenden im Alter von 18 bis 30 Jahren die einmalige Möglichkeit eines Praktikums im europäischen Ausland. Unterkunft, Reisekosten sowie Vorbereitung zuhause und Betreuung vor Ort werden aus dem Projektbudget finanziert.
Außerdem wird ein Beitrag zu den erhöhten Lebenshaltungskosten erstattet. Das ist möglich, weil das Programm "Integration durch Austausch" (IdA) mit Mitteln der Europäischen Union (EU) und des Bundes gefördert und vom KreisJobCenter (KJC) finanziell unterstützt wird.
Teilnehmer können eine Menge Pluspunkte für die Jobsuche sammeln: eine Sprache können sie lernen oder auffrischen, in eine fremde Kultur eintauchen und ungewohnte Situationen meistern.
Charlotte K. findet das IdA-Projekt sehr gut: "Es war wie ein Grashalm und hat mich aus dem Loch der Arbeitslosigkeit herausgezogen."
Für alle Interessierten beginnt der Weg ins Ausland mit einer Vorbereitung von drei Monaten in Marburg. Sprachunterricht ohne Vorkenntnisse, Landeskunde und interkulturelles Training sind Inhalte dieser Vorbereitung. Daneben wird den Teilnehmern Bewerbungstraining und Berufsorientierung mit Praktika in regionalen Betrieben angeboten.
Auf das Ausland vorbereitet, gehen sie für ein zweimonatiges Praktikum nach Spanien, England, in die Niederlande oder nach Frankreich. Je nachdem, auf welches Land die Wahl fällt, bieten sich unterschiedliche Arbeitsmöglichkeiten bei ausländischen Partnerorganisationen im handwerklichen und landwirtschaftlichen Bereich, in der Gastronomie, im Verkauf oder in sozialen Projekten.
So wird zum Beispiel Vaunierès - ein kleiner ehemals verlassener Ort in den französischen Alpen - als Begegnungsstätte neu aufgebaut. Dabei wird Knowhow in vielen handwerklichen Tätigkeiten vermittelt.
Mit Unterstützung der in- und ausländischen Projektverantwortlichen können die Teilnehmenden auch Praktikumsplätze in Betrieben der Region suchen. Im Fall von Charlotte K. war dieer Weg erfolgreich.
Daneben wird der Sprachunterricht fortgesetzt. Exkursionen sollen einen Eindruck des Gastlands vermitteln.
Nach der Rückkehr folgt eine einmonatige Nachbereitung. Hier werden Erfahrungen ausgetauscht und für das Berufsleben nutzbar gemacht.
Bei der Job- oder Ausbildungssuche in Marburger Betrieben punkten die Teilnehmer durch ihre Mobilität und mit neuen Kenntnissen. So kann sich jetzt auch Aline N. über Arbeit freuen. Die gelernte Altenpflegehelferin hat wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus Frankreich eine Stelle bei einer Pflegeeinrichtung in Frankfurt gefunden.
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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