21.12.2010 (fjh)
"Leider kann auch ich nichts ändern, wenn der liebe Gott uns ein Wetter schickt mit so viel Schnee", bedauerte Egon Vaupel. Der Oberbürgermeister berichtete am Dienstag (21. Dezember) im Rathaus von den Anstrengungen der
Stadt Marburg beim Winterdienst.
Zehn Lastwagen des
Dienstleistungsbetriebs der Stadt Marburg (DBM) seien fast pausenlos im Einsatz, um die Straßen vom Schnee zu befreien. Probleme bereiten dabei allerdings die riesigen Schneeberge, die sich vor allen an den Straßenrändern auftürmen.
Wo es notwendig wird, will der DBM den Schnee nachts aus dem Stadtzentrum hinaustransportieren, kündigte Vaupel an. Schließlich sei niemandem damit geholfen, wenn der Schnee nur irgendwo an den Rand geschoben wird, wo er dann vielleicht die Fußgänger behindert.
Den Beschäftigten des DBM sprach Vaupel seinen großen Respekt aus. Unterstützung erhalten sie mittlerweile auch vom Technischen Hilfswerk (THW) und der Feuerwehr. Dennoch sei es nicht möglich, alle Stadtteile völlig vom Schnee freizuräumen.
"Wir tun das Möglichste, was wir können", erklärte der Oberbürgermeister. Er bat allerdings um Verständnis, dass die Situation die vorhandenen Mittel und Menschen an die Grenzen ihrer Kapazitäten bringe.
152 Bushaltestellen mit Wartehäuschen und weitere gut 300 Haltestellen mit einfachem Mast stellen eine logistische Herausforderungen dar, bei der die Stadt Prioritäten setzen muss. Zunächst sollen die stark frequentierten Haltestellen in der Innenstadt sowie wichtige Fußgängerüberwege geräumt werden. Nach und nach sollen dann weniger wichtige Busstationen und die Außenstadtteile folgen.
Beim Busverkehr hat es auch witterungsbedingte Einschränkungen gegeben. Starke Steigungsstrecken seien mitunter zu gefährlich, um sie mit den großen Fahrzeugen sicher zu bewältigen. Auf der Freiherr-vom-Stein-Straße in Wehrda war es bereits zu einem Unfall gekommen, bei dem ein Gelenkbus bei einem Ausweichmanöver ins Rutschen kam.
Dennoch fahren die Stadtbusse großenteils auf den üblichen Strecken durch die Stadt. Auskunft über Unregelmäßigkeiten können Fahrgäste bei der Telefonnummer der
Stadtwerke Marburg (SWM) unter 205-205 erfragen.
Vaupel dankte den Busfahrern ausdrücklich, dass sie trotz der schwierigen Straßenverhältnisse ihr Bestes gäben. Mitunter stehen Fahrer sogar auf, um beeinträchtigten Fahrgästen über die hohen Schneemauern an der Bordsteinkante hinweg in den Bus zu helfen.
Eine "große Hilfsbereitschaft" hat Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach auch bei der Bevölkerung beobachtet. Blinde, die im Schnee nicht mehr so leicht nach Kanten tasten können, sowie Rollstuhlfahrende oder Menschen mit Rollatoren würden oft von Passanten angesprochen und unterstützt.
Im Wesentlichen hielten die Bürger auch ihre Räumpflichten ein, berichtete Regina Linda vom städtischen Ordnungsamt. Lediglich in Ausnahmefällen müssten die Mitarbeiter der Behörde bei Anwohnern klingeln, um sie auf ihre Pflichten hinzuweisen.
In diesem Zusammenhang wies Vaupel auf die städtische Räumsatzung hin. Sie schreibe vor, dass der Schnee nicht auf die Straße oder den Gehsteig geschoben werden soll, sondern möglichst auf dem eigenen Grundstück abgelagert wird.
Gefahren entstehen können auch durch Schneelawinen oder Eiszapfen an Dächern.
Fachdienstleiterin Linda warnte vor Unfällen oder Schäden, die durch Schnee und Eis entstehen können, das von Dächern herunterkommt. Deswegen forderte sie die Bürger auf, auf die eigenen Dächer zu schauen und sie notfalls von Eis und Schnee zu befreien.
Für die Vorräte an Streugut ist vorerst gesorgt. DBM-Betriebsleiter Jürgen Wiegand berichtete allerdings, dass die öffentlichen Beteuerungen des Lieferanten und seine Lieferzeiten einander widersprächen. Vaupel und Weinbach wiesen auch auf den Börsenkurs hin, der seit dem Wintereinbruch deutliche Sprünge gemacht habe.
Ein Ende der Probleme ist derzeit noch nicht in Sicht. Wiegand berichtete, dass die Wettervorhersagen für die Weihnachtstage zwar einen Anstieg der Temperaturen prognostizierten, gleichzeitig aber Niederschläge von 10 Litern pro Quadratmeter. Da die Temperatur nachts auch immer wieder unter den Nullpunkt absinken werde, müsse man sogar mit Glatteisbildung rechnen.
Die Menschen sollten also weiterhin vorsichtig sein. Ihr besonnenes Verhalten habe in den vorangegangenen Tagen aber dazu geführt, dass die Zahl der Verkehrsunfälle im Stadtgebiet trotz der Witterung sogar gesunken ist.
Franz-Josef Hanke
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