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Von-Behring-Röntgen-Stiftung unterstützt Forschungsprojekte

09.12.2010 (gac)
Rund 1,6 Millionen Euro hat die Von-Behring-Röntgen-Stiftung in ihrer vierten Förderrunde für neun medizinische Forschungsprojekte an der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen bewilligt. "Mit den Geldern, die ab 2011 zur Verfügung stehen, werden vor allem herausragende Gemeinschaftsprojekte der beiden medizinischen Fachbereiche mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren gefördert", erklärte Stiftungspräsident Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard.
Das Themenspektrum reicht von neuen Therapiestrategien zur Behandlung von Schlaganfall bis zur Entwicklung von gezielten Trainings, die Patienten mit Depressionen helfen sollen.
Ein mit derzeit 13 namhaften Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz besetzter wissenschaftlicher Beirat bewertet die - bei der Medizin-Stiftung eingereichten - Förderanträge. Zusätzlich gibt er Empfehlungen für Projekte und Themenschwerpunkte.
Die Von-Behring-Röntgen-Stiftung spricht bereits das vierte Mal nach ihrer Errichtung Bewilligungen aus. Insgesamt hat sie bereits rund 7,6 Millionen Euro für medizinische Forschungsvorhaben der Philipps-Universität und der Justus-Liebig-Universität Gießen bewilligt. Der nächste Antragstermin wird voraussichtlich der 28. Juli 2011 sein.
Mit rund 230.000 Euro wird das Projekt "Hepatitische Karzinogenese im Modell der Hepatitis B-transgenen Maus" von Prof. Dr. Elke Roeb, Dr. Dieter Glebe und Prof. Dr. Matthias Ocker unterstützt. Hepatitis B weltweit die häufigste chronische Virusinfektion.
Chronische Entzündungsprozesse wie bei Hepatitis und Leberfibrose sind häufig Grundlage von Karzinomentstehung. Das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache weltweit. Ziel des Vorhabens ist es, den Zusammenhang zwischen chronischer Entzündung und Karzinogenese aufzuklären und Ziele für antitumorale Therapiestrategien zu entwickeln.

Für das Projekt "The role für Factor VII activating protease (FSAP) in der pathogenesis of stroke" erhalten Prof. Dr. Sandip Kanse, Dr. Tibo Gerriets und Dr. Nadia Al-Fakhri rund 156.000 Euro. Schlaganfall (stroke) gehört zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Überlebende eines Schlaganfalls bleiben oft ihr Leben lang pflegebedürftig. Das körpereigene Enzym FSAP spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von gefäßverengenden Erkrankungen. Dazu gehört auch der Schlaganfall. Kanse und seine Kollegen verfolgen das Ziel, neue Erkenntnisse über die Entstehung der Krankheit zu gewinnen. So wollen sie neue therapeutische und diagnostische Methoden entwickeln.

Dr. Yaroslav Winter und Prof. Dr. Philip Hardt untersuchen in ihrem Projekt "Nichtmedikamentöse Sekundärprophylaxe der Schlaganfälle durch therapeutische Gewichtsreduktion" den Erfolg einer Gewichtsreduktion auf Schlaganfallerkrankungen. Sie werden dabei mit 127.000 Euro finanziell unterstützt.
Die Ergebnisse des Projekts dienen als Grundlage für weitere größere Forschungsprojekte. Sie sollen den nachhaltigen Effekt des Therapieprogramms für stark Übergewichtige auf vaskuläre Risikofaktoren und die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Schlaganfallpatienten klären.

Mit rund 162.000 Euro wird das von Prof. Dr. Rolf Maier gemeinsam mit Dr. Bettina Gerster, Prof. Dr. Johannes Heverhagen und Prof. Dr. Birgit Lorenz beantragte Forschungsvorhaben "Sauerstoffabhängige Schädigung des unreifen Gehirns und der unreifen Retina und die Schutzwirkung von Erythropoietin" unterstützt. Sowohl die Unterversorgung als auch die Überversorgung mit Sauerstoff schädigen das unreife Gehirn und die unreife Netzhaut Frühgeborener.
Ziel des Vorhabens ist es, im Tierversuch sauerstoffbedingte Schädigungsmechanismen an Auge und Gehirn zu untersuchen und neuroprotektive Ansätze zu entwickeln. So soll die Lebensqualität von Frühgeborenen verbessert werden und ihnen ein gesundes und behinderungsfreies Leben zu ermöglichen.

Dr. Daniela Kuhnt, Miriam Bauer und Prof. Dr. Christopher Nimsky erhalten für ihre Forschungsvorhaben "Traktographie zur Darstellung von Faserbahnen in der Umgebung hirneigener Tumore" 132.000 Euro . Gliome sind die häufigsten hirneigenen Tumore des menschlichen Organismus. Etwa 70% von ihnen sind bösartig.
Bei Abschluss des zweijährigen Projekts soll das Faserbahnsystem, das in unmittelbarer Nähe von Gliomen liegt, besser abgebildet werden können. Mit der genaueren Darstellung der Tumorgrenzen sollen bei operativen neurochirurgischen Eingriffen Schäden der gesunden Umgebung vermindert werden.
Für ihr Forschungsvorhaben zur "Charakterisierung der zur Expression und Aktivierung von Early growth response-1 führenden Signalwege bei der Arteriogenese in vivo" erhalten Prof. Dr. Klaus T. Preissner und seine Kollegen rund 140.000 Euro. Zu den häufigsten Todesursachen gehört die koronare Herzkrankung, eine chronische Herzerkrankung, die durch Veränderungen der Herzkranzgefäße ausgelöst wird. Die Veränderungen führen zu einer zunehmenden Verengung der betroffenen Arterien. Durch Ateriogenese, die Entstehung natürlicher Bypassgefäße nach einem Gefäßverschluss, kann das Ausmaß eines Herzinfarkts deutlich abschwächt werden. Zusätzlich werden Symptome wie Brustschmerzen verhindert. Ziel des Vorhabens ist es, Therapien zur Arteriogenese-Stimulation bei betroffenen Patienten zu entwickeln.

250.000 Euro erhalten Prof. Dr. Till Acker, Dr. Boyan Garvalov und Prof. Dr. Michael Lohoff für ihr Forschungsvorhaben "The role of prolyl hydroxiglases in the hypoxic control of cancer and inflammation". Hypoxie (niedriger Sauerstoffdruck) ist eine treibende Kraft für Tumorwachstum und induziert eine Reihe von Mechanismen, die für das Tumorwachstum verantwortlich ist. Gleichzeitig erzeugen Tumore eine chronische Entzündung, die ihr Wachstum weiter fördert. Inwiefern das hypoxische und das Entzündungs-Mikromilieu miteinander kommunizieren und zusammen Tumorwachstum vorantreiben ist bisher wenig untersucht. Ziel des Antrags ist es, die molekulare Regulation der Entzündungsregulation in Tumoren durch Hypoxie und seine Rolle im Wachstum von Hirn- und Lungentumoren zu charakterisieren.

Für ihr Forschungsvorhaben "Neurale Korrelate der Belohnungsantzipation bei Patienten mit majorer Depression: Pathophysiologische Bedeutung und therapeutische Implikationen" erhalten Dr. Irina Falkenberg und ihre Mitantragsteller Dr. Sören Krach, Dr. Arne Nagels und Prof. Dr. Tilo Kircher rund 165.000 Euro. Patienten, die unter einer majoren Depression leiden, haben eine verminderte Fähigkeit, Freude zu empfinden.
Falkenberg und ihre Kollegen wollen untersuchen, inwieweit das Belohungserleben und damit die Fähigkeit Freude zu empfinden, durch gezielte psychotherapeutische Interventionen (z.B. Trainings) beeinflussbar ist. Ziel ist es, Techniken zu entwickeln, die es den betroffenen Patienten ermöglichen, selbständig ihre Stimmung aufzuhellen und das Risiko für ein Auftreten erneuter depressiver Episoden zu senken.

Das Projekt "Mikrozirkulatorische und metabolische Veränderungen des Skelett- und Herzmuskels bei obstruktiver Schlafapnoe – von Genexpression und Signalling zum klinisch relevanten Readout" von Dr. Wolfgang Hildebrandt, Dr. Gabriel Bonaterra und Prof. Dr. Ralf Kinscherf wird mit 190.000 Euro gefördert. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) wird durch Atemstillstände in der Nacht verursacht und worauf eine Vielzahl weiterer chronischer Erkrankungen folgen kann.
Hildebrandt und seine Kollegen wollen die für das Krankheitsbild spezifischen Störungen der Durchblutung kleinster Blutgefäße und des Stoffwechsels in Skelettmuskel- und Herzmuskelbiospieproben aufklären. Ziel ist es, den Zusammenhang von OSAS und Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes, verminderter Skelett- und Herzfunktion sowie Gefäßrisiken aufzuklären.
pm: Von-Behring-Röntgen Stiftung
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