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Veränderungszeit


Sabine Leidig sprach über Stuttgart 21

08.12.2010 (gac)
"Stuttgart 21 ist ein weites, großes und vielschichtiges Thema geworden", erklärte Sabine Leidig. "Es betrifft Demokratie, Bahn und Stadt sowie Stadtentwicklung gleichermaßen."
Genau wegen dieser umfassenden Bedeutung des umstrittenen Großprojekts auch für Bürger außerhalb des Ländles hatte Henning Köster von den Marburger Linken Leidig nach Marburg eingeladen. Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke" im Deutschen Bundestag bezog Stellung gegen Stuttgart 21 (S21) und seine Auswirkungen auf die Bundesrepublik.
Zusätzlich stellte sie ihr neues Buch zum Thema vor. "Stuttgart 21- oder: wem gehört die Stadt" ist im PapyRossa-Verlag erschienen. Es entstand in Zusammenarbeit mit Volker Lösch, Gangolf Stocker und Winfried Wolf.
Ob nun das schlechte Wetter oder die Konkurrenz durch den FDP-Generalsekretär Christian Lindner, der zeitgleich im selben Gebäude einen Vortrag hielt, die etwas spärlichen Besucherzahlen zu verantworten hatten, blieb offen. Doch diejenigen, die den Weg ins Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) gefunden hatten, wurden mit einem sehr informativen Vortrag belohnt.
Obwohl die meisten der etwa ein Dutzend Besucher bereits gut über das umstrittene Bauprojekt informiert waren, versetzte Leidig sie mit vielen bisher noch unbekannten Fakten in Erstaunen: "Wusstet Ihr, dass der Stuttgarter Bahnhof zusammen mit Leipzig der pünktlichste Bahnhof Deutschlands ist, obwohl er sich eigentlich in einem jämmerlichen Zustand befindet?"
Noch vor einigen Jahrzehnten habe er über eine Kapazität verfügt, die das neue Projekt fast um das Doppelte übersteigt. "Der Umbau des Stuttgarter Bahnhofs ist überflüssig und zerstört bestehende Strukturen", meinte die ATTAC-Aktivistin.
Mit brisanten Fakten und hohen Zahlen beleuchtete Leidig den geplanten Bau des unterirdischen Durchgangsbahnhofs S21 kritisch. Anhand einer Powerpoint-Präsentation veranschaulichte sie das Ausmaß der Veränderung für Stuttgart bei Umsetzung dieses Projekts.
Mit besonderem Nachdruck verwies sie auf die hohen Kosten, die Umweltbelastungen und das falsche Verhalten der Verantwortlichen gegenüber den Gegnern. "Die Aussagen aus dem Bundestag und im Landtag, die Projektgegner hätten den rechten Zeitpunkt für Einwände verschlafen, sind falsch“, betonte Leidig. "Es war ein Überraschungscoup. In keiner Wahl haben die Stuttgarter die Möglichkeit gehabt, das Projekt abzuwählen."
Auch den Vorwurf, es gäbe keine Alternative zum Projekt, wies sie zurück. Die Alternative "K21" sei gut ausgebaut. Dabei handele es sich weder um ein Phantom noch um ein Hirngespinst.
Von Heiner Geißlers Schlichterspruch zeigte sich die Politikerin enttäuscht: "In meinen Augen ist es ein Kniefall vor den Mächtigen und der Versuch der CDU, die Landtagswahl zu retten."
Geißlers Forderung, den Bau des Durchgangsbahnhofs S21 fortzusetzen, sei "eine Ohrfeige für die Demokratie". Trotzdem könne man stolz darauf sein, dass durch die Schlichtungsgespräche das Vorhaben transparenter geworden sei.
Im Gespräch mit Leidig wurden viele Fragen aufgeworfen. Besonders die Zukunft des Projekts, die Rolle der Partei und die kommenden Landtagswahlen interessierten die Besucher. Über den Grund für den Rückgang der Proteste und die steigenden Umfragewerte der CDU konnte dabei nur spekuliert werden.
Die Bundestagsabgeordnete sieht in den Vorfällen eine Chance. Die Linke müsse sie für sich reflektieren und neue Ideen entwickeln sowie Bürgerinitiativen stärker einbinden.
"Was in Stuttgart gelaufen ist und läuft, hat unsere Gesellschaft verändert", erklärte Leidig abschließend. "Es hat unterschwellig das Bewusstsein der Menschen für gewisse Themen sensibilisiert."
Giulia Coda
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